CSD-Anschlag: Studie zeigt Auswirkungen auf Berlin-Wahl
CSD-Anschlag: Studie zeigt Auswirkungen auf Berlin-Wahl

Wissenschaftler der Goethe-Universität Frankfurt haben in einer groß angelegten Studie untersucht, wie sich Terroranschläge auf das Wahlverhalten auswirken. Der Anlass: der mutmaßlich islamistische Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin, bei dem ein Attentäter mit einem weißen Transporter in eine Menschenmenge fuhr. Die Forscher analysierten vergangene Attentate in Deutschland und weltweit, um Prognosen für die bevorstehende Berliner Abgeordnetenhauswahl im September zu erstellen.

Studienergebnisse: Höhere Beteiligung und Verschiebungen

Die zentrale Erkenntnis: Terroranschläge führen in der Regel zu einer erhöhten Wahlbeteiligung. Die Forscher sehen einen Anstieg um bis zu fünf Prozentpunkte im Vergleich zu vergleichbaren Wahlen ohne vorheriges Attentat. Gleichzeitig profitieren vor allem Parteien, die eine starke Sicherheitsagenda vertreten. Im Fall Berlins könnte dies der CDU oder der AfD zugutekommen. Die Studie weist jedoch darauf hin, dass der Effekt von verschiedenen Faktoren abhängt, etwa der Nähe des Anschlags zum Wahltermin und der wahrgenommenen Bedrohungslage.

Mechanismen: Angst und Solidarität

Die Wissenschaftler beschreiben zwei gegenläufige psychologische Mechanismen: Einerseits erzeuge ein Anschlag Angst, die Menschen zu sicherheitsorientierten Parteien treibe. Andererseits entstehe ein Gefühl der nationalen Solidarität, das die Wahlbeteiligung allgemein erhöhe. „Wir sehen in den Daten, dass die größte Verschiebung nicht unbedingt bei den extremen Rändern stattfindet, sondern in der Mitte des politischen Spektrums“, erklärte ein beteiligter Forscher. Die Studie nutzte Daten von über 50 Wahlen in westlichen Demokratien nach Terroranschlägen der letzten 20 Jahre.

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Berlin-spezifische Prognosen

Für Berlin erwarten die Autoren eine deutlich messbare Auswirkung. Die Wahl liegt etwa sechs Wochen nach dem Anschlag – ein Zeitfenster, in dem die Erinnerung noch frisch ist. Die Forscher warnen jedoch, dass lokale Faktoren wie die politische Kultur Berlins und die spezifische Reaktion der Parteien auf den Anschlag die Effekte abschwächen oder verstärken könnten. „Die öffentliche Debatte in den nächsten Wochen wird entscheidend sein“, so die Wissenschaftler. Die Studie wurde vorab dem Berliner Senat vorgestellt, aber noch nicht veröffentlicht.

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