Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat im aktuellen Trendbarometer für RTL und ntv einen Anstieg der FDP auf fünf Prozent gemessen. Damit würden die Liberalen den Einzug in den Bundestag schaffen, wenn am kommenden Sonntag gewählt würde. Die Union hingegen fällt auf 21 Prozent – den schlechtesten Wert seit November 2021.
Kubicki sieht „FDP-Effekt“
Am Wochenende wählte die FDP auf einem Bundesparteitag Wolfgang Kubicki zum neuen Vorsitzenden. Er setzte sich gegen Marie-Agnes Strack-Zimmermann mit knapp 60 Prozent der Stimmen durch. Kubicki kommentierte den Umfrageanstieg auf der Plattform X als „FDP-Effekt“. Allerdings ist fraglich, ob seine Wahl tatsächlich ausschlaggebend war.
Zwei Fakten stellen Kubickis These in Frage
Erstens: Die Forsa-Umfrage wurde vom 26. Mai bis zum 1. Juni telefonisch durchgeführt. Kubickis Wahl fand am 30. Mai statt. Ein großer Teil der Befragungen liegt also vor dem Parteitag. Zweitens: Eine zeitgleich veröffentlichte Insa-Umfrage sieht die FDP weiterhin bei 3,5 Prozent – ein Minus von 0,5 Prozentpunkten. Insa befragte online ebenfalls vom 26. Mai bis zum 1. Juni. Telefonische Zufallsstichproben gelten in der Meinungsforschung als genauer.
Union auf Tiefstand
Besonders auffällig ist der Rückgang der Union. Forsa misst nur 21 Prozent – ein Minus von einem Prozentpunkt und der niedrigste Wert seit November 2021. Insa taxiert die Union stabil bei 22 Prozent. Andere Institute sehen die Union zwischen 22 und 25 Prozent.
Die Forsa-Umfrage im Detail
- AfD: 27 Prozent (±0)
- CDU/CSU: 21 Prozent (−1)
- Grüne: 15 Prozent (±0)
- SPD: 12 Prozent (±0)
- Linke: 11 Prozent (±0)
- FDP: 5 Prozent (+1)
- BSW: 3 Prozent (±0)
- Sonstige: 6 Prozent (±0)
Bei den anderen Parteien gibt es kaum Veränderungen zur Vorwoche. Die AfD bleibt bei beiden Instituten mit deutlichem Abstand stärkste Kraft.
Die Insa-Umfrage im Detail
- AfD: 29 Prozent (±0)
- CDU/CSU: 22 Prozent (±0)
- Grüne: 13,5 Prozent (−0,5)
- SPD: 12 Prozent (±0)
- Linke: 10,5 Prozent (±0)
- FDP: 3,5 Prozent (−0,5)
- BSW: 3,5 Prozent (+0,5)
- Sonstige: 6 Prozent (+0,5)
Keine Mehrheit ohne Schwarz-Rot-Grün
Eine parlamentarische Mehrheit wäre nach beiden Umfragen nur mit einer Koalition aus CDU/CSU, SPD und Grünen möglich. Bündnisse mit der AfD schließen alle anderen Parteien aus, eine Koalition mit der Linken kommt für die Union nicht infrage.
Wahlumfragen sind generell mit Unsicherheiten behaftet. Sie spiegeln nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung und sind keine Prognosen auf den Wahlausgang. Forsa befragte telefonisch 2502 Personen, Insa online 2006 Personen. Die Fehlertoleranz beträgt für beide Umfragen ±2,5 Prozentpunkte.



