Der Start ins Trainingslager von Borussia Mönchengladbach in Rottach-Egern am Tegernsee ist für Trainer Eugen Polanski zum Albtraum geworden. Gleich neun Spieler fehlen dem 40-Jährigen beim Auftakt der Vorbereitung – so viele Ausfälle gab es selten. Der Kader ist dünner als geplant, und Polanski muss sofort improvisieren und umbauen.
Verletzungshexenschuss und Krankheitsfälle
Gar nicht erst mitgereist sind Fabio Chiarodia, Yukhym Konoplia und Tomas Cvancara. Chiarodia (21) laboriert an einem Muskelfaserriss, Konoplia (26) hat einen Innenbandanriss im rechten Knie und Cvancara (25) befindet sich nach einer Operation an einem Adduktorenriss im Aufbautraining. Alle drei absolvieren Behandlung und Reha im heimischen Borussia-Park in Mönchengladbach.
Zudem angeschlagen: Zento Uno (22) hat eine Sprunggelenksverletzung, David Herold (23) kämpft mit muskulären Problemen. Bei dem 3:1-Testspielsieg gegen Hansa Rostock fehlten außerdem Jens Castrop (23) und Enzo Leopold (26) – beide fühlten sich unwohl und blieben vorsichtshalber daheim.
Freigestellte Spieler: Ngoumou und Reyna vor dem Absprung
Doch nicht nur Verletzungen sorgen für Personalsorgen. Manager Rouven Schröder und Trainer Polanski haben zwei Spieler freiwillig aus dem Kader gestrichen, um ihnen einen Wechsel zu ermöglichen. Nathan Ngoumou (26) und Giovanni Reyna (23) sind für Vereinswechsel freigestellt und dürfen sich um neue Arbeitgeber kümmern.
Für Ngoumou gibt es laut BILD-Informationen ein konkretes Interesse vom RSC Anderlecht. Der offensive Flügelspieler könnte die Bundesliga nach drei Jahren verlassen. Reyna steht derweil unmittelbar vor einem Wechsel zu Racing Straßburg: Die Ablöse soll drei Millionen Euro betragen, der US-Amerikaner absolviert bereits den Medizincheck in Frankreich. Damit verliert Gladbach zwei erfahrene Offensivkräfte, die in der Vergangenheit jedoch oft verletzt waren.
Schröder: „Neun Spieler sind schon ein Brett“
Rouven Schröder nimmt die Personallage mit bemerkenswerter Gelassenheit. „Neun Spieler sind schon ein Brett, zumal viele davon Startelf-Potenzial haben. Aber wir jammern nicht, das ist auch immer eine Chance für die anderen, die sich dann präsentieren können“, sagte der 50-Jährige am Rande des Trainingslagers. Seine Botschaft: Die verbleibenden Akteure sollen die Gelegenheit nutzen, sich für höhere Aufgaben zu empfehlen.
Auch Polanski zeigt sich pragmatisch. Über Ngoumou, der in der Vorbereitung noch überzeugt hatte, sagte er: „Nathan hat sich bisher in der Vorbereitung empfohlen, auch im Testspiel in Wuppertal. Wir haben aber ausreichend Spieler auf seiner Position für das Trainingslager.“ Damit machte der Coach deutlich, dass die Freistellung auch eine sportliche Entscheidung war.
Kader-Verschlankung: Auch Cvancara soll gehen
Die vielen Ausfälle verdeutlichen, wie dringend Gladbach den Kader ausdünnen will. Durch zahlreiche Neuzugänge ist der Kader enorm angewachsen, und der Klub möchte offenbar vor allem Gehälter sparen. Neben Großverdiener Reyna (knapp zwei Millionen Euro) kassierte auch Ngoumou (1,8 Millionen) gutes Geld für wenig Einsatzzeit – der Franzose hatte sich im vergangenen Jahr einen Achillessehnenriss zugezogen und kam kaum zum Zug.
Unbedingt weg soll auch Tomas Cvancara, der mit geschätzten 2,2 Millionen Euro zu den Spitzenverdienern zählt. Der Tscheche war vor drei Jahren für 10,5 Millionen Euro Ablöse von Sparta Prag gekommen, konnte die Erwartungen jedoch nie erfüllen. Durch seine schwere Adduktorenverletzung dürfte allerdings in dieser Transferperiode kein Abnehmer zu finden sein. Der Stürmer bleibt also vorerst in Gladbach und soll sich nach seiner Operation zurückkämpfen.
Polanski bleibt nur die Improvisation
Für die kommenden Trainingseinheiten am Tegernsee bedeutet das: Polanski muss auf junge Talente und Positionsverschiebungen zurückgreifen. Die Stimmung in der Mannschaft ist trotz der Personalsorgen nicht getrübt, wie Schröder betonte. Die Mannschaft zeigte beim Testspielsieg gegen Hansa Rostock eine ordentliche Leistung und will diese Woche die Grundlagen für eine erfolgreiche Saison legen.
Ob bis zum Trainingslager-Ende noch ein weiterer Spieler den Klub verlässt, bleibt offen. Die Verantwortlichen arbeiten im Hintergrund an Abgängen, doch die Verletztenliste macht es nicht einfacher. Eines ist klar: Der Albtraum-Start soll nicht zum Dauerzustand werden.



