Die Formel 1 gastiert auch 2026 in Ungarn, das Rennen in Budapest ist längst ein Klassiker. Vor 40 Jahren war daran nicht zu denken. Doch die Premiere im Ostblock wurde ein voller Erfolg.
Ecclestones Plan: Formel 1 hinter dem Eisernen Vorhang
Der langjährige Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone wollte Anfang der 1980er Jahre mit seinem Vollgas-Spektakel mitten im Kalten Krieg auch hinter dem Eisernen Vorhang Geld verdienen. Zunächst war die Sowjetunion im Gespräch, später auch das frühere Jugoslawien – angeregt von seiner späteren Ehefrau Slavica. Ecclestone witterte ein Millionen-Geschäft, doch aus einem Grand Prix in Moskau wurde nichts. Er empfand die Stadt als zu „grau und depressiv“, wie berichtet wurde.
Stattdessen stieß der ehemalige Gebrauchtwagenhändler auf das damals relativ liberale Ungarn. Die Parteiführung meinte hinter vorgehaltener Hand, dass ein paar Devisen aus dem Motorsport trotz aller ideologischen Einwände nicht schaden könnten.
Der Hungaroring entsteht in Rekordzeit
Nach nur neun Monaten Bauzeit wurde der Hungaroring aus dem Boden gestampft und feierte 1986 seine Premiere. „Die Ungarn haben hervorragende Arbeit geleistet. Wir waren verblüfft, wie gut alles lief“, erinnerte sich Ecclestone an die Entdeckung des Ostblocks. In Ungarn wird an diesem Wochenende, bevor sich die Formel 1 in die Sommerpause verabschiedet, schon zum 41. Mal im Kreis gerast.
Ursprünglich war der Grand Prix als Straßenrennen rund um das Stadtwäldchen im Herzen von Budapest geplant. Doch Behörden hatten etwas gegen das geplante Fällen von Bäumen. Dank Ecclestones Verbindung zum ungarisch-stämmigen Geschäftsmann Tamas Rohonyi, selbst viele Jahre Promoter des Grand Prix von Brasilien, stieß die Formel-1-Expedition auf die Gemeinde Mogyorod, nordöstlich von Budapest.
„Mehr Kohle als Kartoffeln“ – Landwirtschaft macht Platz für Motorsport
Eine landwirtschaftliche Genossenschaft hatte damals das Sagen über das Gebiet. Die frühere Chefin dieser Kooperative erwiderte auf den Vorstoß, dort ein Rennen veranstalten zu wollen: „Die Formel 1 bringt uns vermutlich mehr Kohle ein, als Kartoffeln anzubauen.“ Das Gespür fürs Geldmachen war auch auf dem Dorf ausgeprägt. In erster Linie hat Ecclestone verdient, doch Ungarn ist immer noch gerne bereit, zweistellige Millionenbeträge zu bezahlen. Es geht um Tourismus, Prestige und Selbstvergewisserung. Nur in Monza werden länger ununterbrochen WM-Läufe ausgetragen. Bis mindestens 2032 wird die Formel 1 noch vor den Toren Budapests Station machen.
Für eine Vertragsverlängerung haben die Veranstalter eine Menge Geld in die Hand genommen, um den Kurs samt Gebäuden zu renovieren. „Unsere Rennstrecke hat eine erstaunliche Verwandlung durchgemacht“, sagte Hungaroring-Geschäftsführer Zsolt Gyulay über das Facelifting der Anlage.
Premiere 1986: 200.000 Zuschauer und ein legendäres Duell
Als der Grand Prix seine Premiere erlebte, strömten vor allem am Rennsonntag die Massen herbei. Mehr als 200.000 Zuschauer bevölkerten die Naturtribünen rund um den Kurs – selbst wenn die Karten für die Menschen aus dem Ostblock damals sündhaft teuer waren. Nach einem rundenlangen Duell und einem legendären Überholmanöver via Drift in Kurve eins siegte Nelson Piquet vor seinem brasilianischen Landsmann Ayrton Senna. „Brasilianischer Samba in der ungarischen Puszta“, titelten die Zeitungen sinngemäß.
Anschubhelfer Rohonyi wollte die politische Dimension des Formel-1-Rennens in seiner Heimat nie überbewerten. Doch Eindruck hat das Event hinterlassen. „Die Formel 1 hinter dem Eisernen Vorhang war eine Art kleines Erdbeben“, meinte er, „das auch an den Fundamenten des sozialistischen Systems winzige Risse verursacht hat.“ Wenige Jahre nach der Premiere in Ungarn fiel der Eiserne Vorhang tatsächlich.



