Der englische Fußballverband (FA) stellt sich gegen Fifa-Präsident Gianni Infantino. Wie der Nachrichtensender Sky News berichtet, bereitet die FA derzeit ein Schreiben vor, in dem sie dem 56-jährigen Schweizer die Unterstützung für eine erneute Kandidatur entzieht. Der Schritt gilt als nächste Eskalationsstufe im wachsenden Machtkampf an der Spitze des Weltfußballs.
Schon zuvor hatte der walisische Fußballverband (FAW) einen Schlussstrich gezogen. In einem Schreiben, das Sky News vorliegt, begründet die FAW ihren Schritt mit gravierenden Führungsmängeln: „Die jüngsten Defizite in den Bereichen verantwortungsvoller Verbandsführung, Entscheidungsprozesse, Führung, Werte, Stakeholder-Management, Kommunikation und Urteilsvermögen haben dazu geführt, dass Herr Infantino das Vertrauen des FAW verloren hat, weiterhin an der Spitze des Weltfußballs zu stehen.“
Wales kappt die Verbindung zu Infantino
Der walisische Verband bestätigte offiziell, „den Entzug seiner Unterstützung für die Kandidatur von Herrn Gianni Infantino zur Wiederwahl als FIFA-Präsident für die Amtszeit 2027 bis 2031“. Die Fifa sei darüber bereits schriftlich informiert worden. „Das Wohl des Fußballs nicht an erste Stelle zu setzen, ist ein Versagen, das wir nicht akzeptieren können“, heißt es in dem Schreiben weiter. Klartext aus Cardiff – mit Signalwirkung über die britischen Grenzen hinaus.
Nun folgt offenbar der englische Verband, einer der einflussreichsten der Welt. Die FA hat zwar noch keine offizielle Stellungnahme abgegeben, doch die Vorbereitung eines entsprechenden Dokuments dürfte die Position Infantinos weiter schwächen. Insbesondere in Europa wächst die Zahl jener Verbände, die sich von dem Schweizer abwenden.
Milliardendeal sorgte für Empörung
Hintergrund des Unmuts sind mehrere Kontroversen der jüngsten Zeit. Besonders schwer wog Infantinos Vorstoß, einen Teil der kommerziellen Rechte der Fifa – etwa an der Weltmeisterschaft – für einen Milliardenbetrag zu verkaufen. Nach massivem öffentlichem Druck und scharfer Kritik der Uefa musste der Fifa-Boss die Pläne zurückziehen. Weltweit hatten diese Ideen Entsetzen ausgelöst und das Misstrauen gegenüber seiner Amtsführung weiter befeuert.
Infantino regiert den Weltverband seit 2016. Sein Führungsstil gilt innerhalb der Fußballfamilie zunehmend als umstritten. Kritiker werfen ihm eine zu starke Konzentration auf wirtschaftliche Interessen und eine mangelnde Bereitschaft zur Transparenz vor. Die jetzigen Erklärungen aus Wales und England dürften diese Debatte weiter anheizen.
Wahl 2027: Vier Namen als mögliche Herausforderer
Die nächste reguläre Wahl ist für den 18. März 2027 geplant. Dann soll auf dem 77. Fifa-Kongress in Rabat (Marokko) abgestimmt werden. Infantino strebt nach Statutenlage eine letzte vierjährige Amtszeit an. Doch die Liste seiner möglichen Gegenkandidaten ist bereits lang.
Zu den prominentesten Namen zählen Uefa-Boss Aleksander Ceferin (58), der asiatische Verbands-Präsident Scheich Salman bin Ibrahim Al Chalifa (60), Concacaf-Chef Victor Montagliani (60) sowie Fifa-Generalsekretär Mattias Grafström (45). Ob einer von ihnen tatsächlich ins Rennen geht, ist noch offen. Fest steht jedoch: Die Personaldebatte hat längst begonnen, und die Unterstützung für Infantino bröckelt auch außerhalb Europas.
Auch ein vorzeitiges Aus ist möglich
Für Infantino könnte es allerdings noch unangenehmer kommen. Wenn 43 der 211 Fifa-Mitglieder einen außerordentlichen Kongress beantragen und sich dort eine Mehrheit für ein Misstrauensvotum gegen ihn findet, wäre der Fifa-Boss womöglich schon vor der regulären Wahl im März 2027 abgesetzt. Eine solche Konstellation galt lange als unrealistisch, doch die aktuellen Entwicklungen könnten neue Dynamik in diese Überlegung bringen.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob weitere Verbände dem Beispiel von Wales und England folgen. Für Infantino geht es um nichts weniger als den Erhalt seiner Macht. Der Widerstand ist größer denn je – und die Zeit bis zur Wahl bleibt für den Schweizer eine Zitterpartie.



