Mit einer knallharten Warnung und der Aufforderung zum gemeinsamen Träumen hat Jürgen Klopp seine Amtszeit als Bundestrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft eingeläutet. „Wer Jürgen holt, kriegt ihn“, postulierte der 59-Jährige bei seiner Vorstellung in der DFB-Zentrale in Frankfurt am Main. Gleichzeitig drohte er: „Wenn ihr euch danebenbenehmt oder meine Familie nicht in Ruhe lasst, bin ich weg.“
Keine Kompromisse: Klopp warnt vor Respektlosigkeit
Klopp bezog sich dabei auf die Erfahrungen seiner Vorgänger Julian Nagelsmann und Thomas Tuchel in England. „Wenn ihr morgen sagt, der ist scheiße, dann bin ich weg“, sagte der 59-Jährige und ergänzte, dass dafür schon mehrere Kritiker nötig seien – ein einzelner reiche nicht. Eine Abfindung wolle er in einem solchen Fall nicht. „Ich mache das nicht gegen euch, sondern für euch.“ Der Auftritt war typisch Klopp: wortgewaltig, direkt und mit klaren Ansagen.
Traum vom WM-Titel 2030
Trotz der Warnung gab sich Klopp auch visionär. „Wenn ich die Augen schließe und mir vorstelle, Deutschland sei 2030 Weltmeister, dann ist das eine wunderbare Vorstellung“, sagte er und forderte alle auf, mit ihm diesen Traum zu teilen. Versprechungen für schnelle Erfolge machte er jedoch nicht – im Gegensatz zu seinem bei der WM gescheiterten Vorgänger Nagelsmann. „Erfolg ist Leistung in Relation zur Erwartungshaltung“, so Klopp. Man dürfe nicht ständig Vergleiche mit Spanien, Argentinien oder Frankreich ziehen. Nur weil diese Nationen mehr Top-Spieler hätten, sei ein Sieg dennoch möglich.
Erste Personalentscheidungen offen
Zu konkreten Personalfragen, etwa zur Rolle von Kapitän Joshua Kimmich oder zur nach dem Rücktritt von Manuel Neuer offenen Torwartfrage, äußerte sich Klopp nicht. Er kündigte jedoch an, an der Viererkette in der Abwehr festzuhalten und die Flügel zu stärken, wo er die „modernen Spielmacher“ sieht. Bislang habe er 57 Spieler auf einem Zettel notiert, die Beobachtung erfolgte jedoch nur über YouTube. Erste Aufklärung verspricht die Nations League, wenn Klopp am 24. September in den Niederlanden sein Debüt als Bundestrainer gibt.
Vertrag bis 2030 – Verhandlungen mit Red Bull
Der DFB hat Klopp bis zur Weltmeisterschaft 2030 an sich gebunden. Offizieller erster Arbeitstag ist der 15. August. DFB-Präsident Bernd Neuendorf betonte: „Er war von Anfang an unsere Wunschlösung. Da waren wir uns im Verband einig, dass wir diese Lösung verfolgen müssen.“ Die Verpflichtung sei aufgrund von Klopps Vertrag mit Red Bull, wo er bis 2029 als Head of Global Soccer tätig war, „eine komplexe Thematik“ gewesen. Letztlich zahlte der DFB eine Million Euro an die Red-Bull-Stiftung und sicherte dem Konzern drei Länderspiele in Leipzig bis 2030 zu.
Assistenten und erste Ziele
Klopp wird von seinen langjährigen Assistenten Peter Krawietz und Pepijn Lijnders sowie Ex-Spieler Sven Bender als Co-Trainer unterstützt. Auch Berater Marc Kosicke gehört zum Team. Das erste große Ziel ist die Europameisterschaft 2028 in England, Schottland, Wales und Irland. Dafür muss sich die DFB-Elf jedoch noch qualifizieren. Die EM-Qualifikation findet 2025 statt. „Jetzt freue ich mich auf diese besondere Aufgabe im deutschen Fußball, die wir gemeinsam mit Demut und Geduld angehen werden: eine Mannschaft zu entwickeln, die füreinander kämpft, die Freude am Fußball hat und hinter der sich die Menschen in unserem Land mit voller Überzeugung versammeln können“, sagte Klopp.
Klopps beeindruckende Karriere
Der gebürtige Stuttgarter war über viele Jahre einer der besten Vereinstrainer Europas. Er führte Mainz 05 in die Bundesliga, wurde mit Borussia Dortmund zweimal deutscher Meister und gewann 2019 mit dem FC Liverpool die Champions League. Nach neun Jahren in England erklärte er 2024 seinen Rücktritt bei den Reds, weil ihm die Energie ausgegangen sei. Diese habe er nun wieder: „Ich bin mehr als aufgetankt, ich bin bereit.“



