Lothar Matthäus hat Fifa-Präsident Gianni Infantino für dessen gescheiterte Investorenpläne scharf kritisiert. „Er hat für seine Pläne einen der falschesten Zeitpunkte ever gewählt“, schrieb der Rekordnationalspieler in seiner Kolumne für den TV-Sender Sky. „Zum anderen gibt es für mich kaum etwas Unsinnigeres als diese Idee.“ Damit reiht sich Matthäus in die wachsende Zahl der Kritiker ein, die nach dem Rückzieher Infantinos nun dessen Rücktritt fordern.
Investorenpläne: Milliarden für WM-Rechte
Infantino hatte geplant, einen Teil der kommerziellen Rechte des Fußball-Weltverbandes, etwa an der Weltmeisterschaft, an Investoren zu verkaufen, um eine Milliardensumme einzunehmen. Nach massivem Widerstand aus Verbänden und Öffentlichkeit zog er die Pläne jedoch zurück. Die Europäische Fußball-Union (Uefa) drohte dem Fifa-Boss zuletzt mit rechtlichen Schritten und forderte ihn laut „Telegraph“ und „Financial Times“ auf, sämtliches Material zum zurückgezogenen Investorenvorhaben nicht zu vernichten.
Matthäus: „Jetzt hat er es übertrieben“
Matthäus schrieb, Infantino habe zwar auch „einiges richtig gemacht in der Vergangenheit“. Es sei nicht alles verkehrt gewesen in seiner Amtszeit, „auch wenn es bei ihm immer ums Geld geht“. Doch: „Aber jetzt hat er es übertrieben. Er ist schlecht beraten worden oder hat sich gar nicht beraten lassen“, so Matthäus. Infantino bekomme „wahrscheinlich jetzt seine Quittung und das, was sich viele seiner Gegner gewünscht haben“.
Wales und Serbien entziehen Unterstützung
Die gescheiterten Investorenpläne könnten Infantino das Amt kosten. Als erster Nationalverband entzog Wales öffentlich seine Unterstützung. „Die jüngsten Defizite in den Bereichen verantwortungsvoller Verbandsführung, Entscheidungsprozesse, Führung, Werte, Stakeholder-Management, Kommunikation und Urteilsvermögen haben dazu geführt, dass Herr Infantino das Vertrauen des FAW verloren hat, weiterhin an der Spitze des Weltfußballs zu stehen“, zitierte Sky News in England den Walisischen Fußballverband FAW.
Der serbische Verband zog nach: Man habe Infantino am 25. Mai dieses Jahres zwar schriftlich seine Unterstützung zugesichert, hieß es in einem Schreiben. Man ziehe diese aber nun zurück. Auch England arbeitete Medienberichten zufolge an einem ähnlichen Brief an die Fifa-Spitze.
Uefa droht mit rechtlichen Schritten
Die Uefa forderte Infantino auf, alle Dokumente zu den zurückgezogenen Plänen aufzubewahren. Dies könnte auf eine mögliche juristische Aufarbeitung hindeuten. Die Europäische Fußball-Union sieht sich durch das Vorgehen Infantinos in ihrer Position gestärkt und prüft weitere Schritte.
Kritik von allen Seiten
Neben Matthäus äußerten sich auch andere Fußballgrößen kritisch. Spaniens Liga-Chef Javier Tebas forderte Infantino zum Rücktritt auf und sprach von der „Spitze des Eisbergs“. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) warf Infantino „unverantwortliches Handeln“ vor und forderte eine „andere Kultur“ im Weltverband.
Infantinos Zukunft ungewiss
Infantino wollte sich eigentlich am 18. März 2027 ein letztes Mal für weitere vier Jahre zum Fifa-Präsidenten wählen lassen. Doch nach dem Eklat um die Investorenpläne und dem wachsenden Widerstand ist seine Wiederwahl fraglich. Beobachter sehen zwei Optionen für seine Gegner: entweder einen Gegenkandidaten bei der Wahl zu unterstützen oder auf einen Rücktritt Infantinos zu drängen.
Die gescheiterten Investorenpläne könnten Gianni Infantino das Amt kosten. Mehr dazu, welche zwei Optionen seine Widersacher haben und wer mögliche Nachfolger sind, erfahren Sie hier.



