Michael Stich: Darum spielte er nie mit Alexander Zverev
Stich: Nie mit Zverev gespielt – das ist der Grund

Michael Stich, der letzte deutsche Wimbledonsieger der Herren, wird am Sonntag als Prime-Experte das Wimbledon-Finale zwischen Alexander Zverev und Jannik Sinner kommentieren. Der 57-Jährige, der 1991 Boris Becker im Finale besiegte, kennt Zverev seit dessen Kindheit. Beide sind eng mit dem Uhlenhorster HC in Hamburg verbunden, doch nie standen sie gemeinsam auf dem Platz. „Ich habe nie mit ihm gespielt, weil mir das zu anstrengend gewesen wäre. Er wäre mir am Ende zu fordernd gewesen“, lachte die frühere Nummer 2 der Welt.

Stichs Erinnerungen an den jungen Zverev

Stich beobachtete Zverev bereits als Fünfjährigen: „Er wollte immer spielen, jeden Tag. Und wenn keiner mit ihm spielen wollte, war er stinksauer. Da flog auch mal ein Schläger, dann wurde geweint. Er wollte unbedingt spielen und zum Glück hat er seine Eltern, die leben ja Tennis jede Minute des Tages.“ Stich spielte häufig mit Zverevs älterem Bruder Mischa, der damals 15 war. Alexander war stets dabei und wollte mit dem Papa, der Mama oder Mischa spielen. „Er hatte immer die totale Begeisterung. Das war damals schon für ihn klar, das ist sein Traum. Jetzt, so 23 Jahre später, kann man sagen: so schlecht hat er es ja nicht gemacht.“

Zverevs Weg zum zweiten Grand-Slam-Titel

Zverev, der am Sonntag sein erstes Wimbledon-Finale bestreitet, könnte seinen zweiten Grand-Slam-Titel in Folge gewinnen. Beide Erfolge verdankt er einem neuen, aggressiven Stil und einer verbesserten Vorhand. Stich wundert sich, warum Zverev sein Spiel nicht früher umstellte: „Er war schon sehr jung sehr erfolgreich und hat auf der Tour relativ schnell Fuß gefasst. Er hat viele Master gewonnen, die ATP Finals zweimal, ist Olympiasieger. Das alles mit seiner Spielweise. Warum sollst du dann was verändern? Läuft doch! Ich glaube, ihm hat immer die Bereitschaft gefehlt, was Neues auszuprobieren. Aber wenn ich mehr erreichen will, muss ich auch mal was Neues machen und kann mich nicht immer nur auf das Alte zurückziehen.“

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Trainerwechsel und Herausforderungen

Zverev testete mehrere Trainer, darunter Ivan Lendl, Sergi Bruguera, Juan Carlos Ferrero und David Ferrer. Laut Stich scheiterten diese Beziehungen schnell: „Alexander hat ein eingefahrenes Umfeld. Er hatte immer dieselben Menschen um sich, und so ist er groß und erfolgreich geworden. Dann kommt ein starker Trainer wie Ivan Lendl, der jede Expertise dieser Welt hat, und dann sagt der dir, was du tun sollst. Aber das willst du eigentlich nicht. Dann bringt das nichts. Daher sind diese Trainer-Spieler-Beziehungen sehr schnell gescheitert, weil er noch nicht bereit war dafür.“

Parallelen zwischen Stich und Zverev

Stich sieht eine Gemeinsamkeit: „Er braucht die Herausforderung. Das war bei den großen Drei so, das waren epische Finals und da haben sie sich selbst noch mal gepusht. Das ging uns aber allen so, dass du diese Herausforderung brauchst. Deswegen habe ich immer gern gegen Pete Sampras gespielt. Du willst immer den Besten schlagen, das gibt die Extra-Motivation.“ Auf die Frage, ob er sich freuen würde, Zverev als seinen Nachfolger zu feiern, antwortet Stich nüchtern: „Das hat ja mit mir nichts zu tun. Er hätte es total verdient und ich freue mich darüber. Aber das ist ja nicht mein Wimbledon-Sieg. Es wäre schöner, wenn ich da nochmal stehen könnte. Ich gönne ihm das, habe aber keine enge Beziehung zu ihm. Ich sehe das relativ neutral. Sportlich wäre das für ihn selbst jedoch großartig.“

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