Tebas fordert Rücktritt von Infantino nach Fifa-Pleite
Tebas fordert Rücktritt von Infantino nach Fifa-Pleite

Die Kritik an Fifa-Präsident Gianni Infantino reißt nach dem Scheitern des geplanten Investorenmodells nicht ab. Der Präsident der spanischen Liga, Javier Tebas, erklärte in den sozialen Netzwerken, der Weltfußball brauche eine neue Führung, die die Verbandsstrukturen modernisiere, die institutionelle Glaubwürdigkeit wiederherstelle und künftige Entscheidungen gemeinsam mit den betroffenen Akteuren entwickle. Er reagierte damit auf den überraschenden Rückzug Infantinos von seinem Vorhaben, Anteile an den kommerziellen Rechten der Fifa-Wettbewerbe – darunter die Weltmeisterschaften der Männer und Frauen sowie die Klub-WM – an private Investoren zu verkaufen. Das Vorhaben hatte innerhalb kürzester Zeit eine Welle der Empörung ausgelöst.

Tebas betonte, das Problem sei niemals nur dieser eine Vorschlag gewesen. Es gehe um ein Führungsmodell, das Macht konzentriere, Kontrollmechanismen schwäche und die Betroffenen an den Rand dränge. »Der Rückzug eines Vorschlags macht das Geschehene nicht ungeschehen«, schrieb er. »Er ist lediglich die Spitze des Eisbergs.«

Concacaf: »Ungeheuerliche Handlung«

Noch deutlicher wird die Kritik aus dem amerikanischen Raum. Der Kontinentalverband Concacaf, zuständig für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik, erklärte, der geplatzte Investorendeal sei ein »Symptom für eine Führung, die aufgehört hat, den Fußball an erste Stelle zu setzen«. Die einseitige Aktion trage Züge einer »ungeheuerlichen Handlung« und zeuge von schlechter Regierungsführung und Führungsschwäche. »Diese jüngste einseitige und ungeheuerliche Handlung ... reiht sich ein in eine Reihe von Fehltritten und ähnlichem Verhalten«, hieß es weiter. Der Verband forderte eine »umfassende Aufarbeitung dieser Präsidentschaft«.

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Hintergrund des massiven Widerstands ist nicht zuletzt die Art und Weise, wie Infantino den Vorstoß präsentiert hatte. Zahlreiche nationale Verbände und Ligen fühlten sich übergangen, da sie offenbar nicht vorab konsultiert worden waren. Die Europäische Fußball-Union Uefa hatte Infantino bereits zuvor das Vertrauen entzogen. Der Konflikt zwischen Uefa und Fifa hatte in den vergangenen Wochen immer weiter zugenommen – nicht erst wegen der nun gescheiterten Investorenpläne.

Deutsche Stimmen: »Dieser Spuk ist vorbeigegangen«

In Deutschland sorgte der Vorgang ebenfalls für Empörung. Der Deutsche Fußball-Bund warf Infantino unverantwortliches Handeln vor. FC-Bayern-Präsident Herbert Hainer äußerte sich am Rande der Abreise der Münchner Profis zu ihrer Asien-Tour nach Südkorea. »Es ist ein Glück, dass dieser Spuk so schnell vorbeigegangen ist, wie er gekommen ist, und dass diese aberwitzige Idee vom Tisch ist«, sagte Hainer. Er forderte, die Verantwortlichen müssten nun dafür Sorge tragen, dass eine derartige Idee nicht wieder auftauche. Hainer zeigte sich vor allem über die mangelnde Information der Verbände irritiert: »Dieser Vorgang ist eigentlich unglaublich, dass niemand eingeweiht war vorher von den ganzen Verbänden und das über Nacht auf den Tisch kam.«

Die scharfen Reaktionen aus Europa und Amerika zeigen, wie tief das Vertrauen in Infantinos Führungsstil mittlerweile gesunken ist. Selbst der Kompromiss, den Plan aufzugeben, dürfte an der grundsätzlichen Kritik an seiner Amtsführung wenig ändern. Für Infantino geht es in den kommenden Monaten nicht nur um die Bewältigung der aktuellen Krise, sondern auch um seine politische Zukunft.

Rückenwind aus Ägypten und Marokko

Trotz der anhaltenden Kritik kann Infantino weiterhin auf prominente Unterstützung bauen. Der ägyptische Fußballverband bekräftigte sein »volles Vertrauen« in die Führung des Schweizers. Auch Marokko, Gastgeber des 77. Fifa-Kongresses im kommenden Jahr, erneuerte seine Unterstützung. In Rabat will sich Infantino nach eigenen Plänen im März 2027 ein letztes Mal zur Wahl zum Fifa-Präsidenten stellen – für eine weitere Amtszeit von vier Jahren. Ob er die nötige Mehrheit erhält, gilt angesichts der zuletzt angespannten Stimmung in vielen Verbänden allerdings als unsicherer denn je.

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Ob die Kritiker eine Ablösung tatsächlich durchsetzen können, bleibt offen. Die Statuten der Fifa sehen ein Abwahlverfahren nicht vor, und der nächste ordentliche Wahlgang ist erst im März 2027. Bis dahin dürfte die Debatte über die Führung des Weltverbands jedoch weitergehen – und Infantino mit jeder neuen Enthüllung des Konflikts mehr unter Druck geraten. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die aktuelle Welle der Kritik nur eine Momentaufnahme ist oder den Beginn eines grundlegenden Umbruchs an der Fifa-Spitze markiert.