Schwimm-EM: Wellbrocks Versöhnung mit sich selbst
Schwimm-EM: Wellbrocks Versöhnung mit sich selbst

Florian Wellbrock hat bei den Europameisterschaften im Schwimmen in Belgrad ein Ausrufezeichen gesetzt. Der 26-Jährige gewann am Donnerstagabend das Finale über 1500 Meter Freistil in 14:51,34 Minuten und unterbot damit die Olympianorm von 14:51,40 Minuten um exakt sechs Hundertstelsekunden. Es ist der erste internationale Titel für den Freiwasser-Olympiasieger von Tokio seit seinen beiden Goldmedaillen bei der EM in Rom 2022.

Der Start-Ziel-Sieg war für Wellbrock ein Befreiungsschlag nach einem Jahr voller Rückschläge. Gesundheitsprobleme und ein hartnäckiger Infekt hatten ihn immer wieder aus dem Trainingsplan gerissen, wichtige Wettkämpfe musste er absagen. Die Teilnahme an der Schwimm-EM in der serbischen Hauptstadt stand bis zuletzt auf der Kippe. Umso emotionaler reagierte der Athlet nach dem Rennen, als er die Zielanschlag berührte: Er schlug mit der rechten Hand an und schaute kurz auf die Anzeigetafel – dann hielt er beide Arme in die Höhe.

Überwindung von Hindernissen

Wellbrock, der in Tokio Gold über zehn Kilometer im Freiwasser und Bronze über 1500 Meter Freistil gewann, hatte im vergangenen Jahr mit einem schweren Infekt zu kämpfen, der ihn wochenlang ans Bett fesselte. In dieser Zeit seien ihm Selbstzweifel gekommen, wie er später einräumte. Sein Trainer Bernd Berkhahn vom SC Magdeburg arbeitete gemeinsam mit ihm an einem Comeback. Schritt für Schritt kämpfte sich Wellbrock zurück in die Weltspitze. Die EM in Belgrad sollte der letzte große Test vor den Olympischen Spielen in Paris sein – und genau dieser Test gelang.

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Der Sieg in 14:51,34 Minuten war zugleich die schnellste Zeit, die seit Jahresbeginn von einem Europäer über diese Distanz geschwommen wurde. Damit hat Wellbrock nicht nur die Norm erfüllt, sondern auch ein Ausrufezeichen an die internationale Konkurrenz gesetzt. Sein Tempo über die ersten 1000 Meter war verhalten, doch auf den letzten 500 Metern beschleunigte er kontinuierlich und ließ die Konkurrenz hinter sich. Der Rückstand des Zweitplatzierten, des Ungarn Kristóf Rasovszky, betrug am Ende mehrere Sekunden.

Ein Abend der Erleichterung

Nach dem Rennen zeigte sich Wellbrock sichtlich bewegt. In der Mixed Zone in der Belgrader Hallenarena sagte er nach Angaben des Deutschen Schwimm-Verbands: „Das ist ein unglaubliches Gefühl. Nach der schweren Zeit wusste ich nicht, ob ich wieder an diesem Punkt ankommen würde. Dieser Sieg gibt mir unheimlich viel Vertrauen für Paris.“ Bundesstützpunktleiter und Sportdirektor des DSV waren sich einig, dass der Magdeburger mit dieser Leistung zu den Medaillenkandidaten in Paris gehören würde, insbesondere über die 1500-Meter-Strecke.

Die Erleichterung sei auch seinem Team anzumerken gewesen, das den Erfolg in der Halle lautstark bejubelte. Wellbrock selbst sprach von einer „Versöhnung mit dem Becken“ – eine Anspielung auf die Strapazen der vergangenen Monate. „Ich habe in den dunkelsten Stunden nie den Glauben verloren, aber es gab Momente, in denen ich mir nicht sicher war, ob ich noch einmal auf das Podest steigen kann“, sagte er weiter. Diese Worte zeigen, wie viel dieser Sieg für ihn persönlich bedeutet.

Der Blick geht nach Paris

Mit dem EM-Titel in der Tasche richtet sich Wellbrocks Fokus nun voll auf die Olympischen Spiele in Paris, die Ende Juli beginnen. Dort wird er über 1500 Meter Freistil und im Freiwasser an den Start gehen. In der Seine plant der Deutsche, erneut über zehn Kilometer sein Glück zu versuchen. Der 26-Jährige hat bereits zwei olympische Medaillen auf dem Konto, nun soll die dritte folgen. Die Konkurrenz ist stark, allen voran der US-Amerikaner Robert Finke, der bei den letzten Weltmeisterschaften dominierte. Doch Wellbrock weiß, dass er an einem guten Tag mit jedem mithalten kann.

Die verbleibende Zeit bis Paris will der Schwimmer nutzen, um weiter an seiner Form zu feilen. Nach dem EM-Erfolg plant er ein intensives Trainingslager in den Höhen von St. Moritz, um die Grundlage für die Saison-Highlights zu legen. Die „Versöhnung“ von Belgrad könnte dabei zu einem wichtigen mentalen Anker werden. „Ich bin bereit, noch einmal alles zu geben“, kündigte Wellbrock an. Das deutsche Schwimmteam darf sich Hoffnungen machen auf einen weiteren Höhepunkt in einer ansonsten wechselhaften Olympiavorbereitung.

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