Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) treiben den Abschied vom klassischen Papierfahrschein voran und wollen ihr mehr als 30 Jahre altes Vertriebssystem schrittweise durch digitale Technik ersetzen. BVG-Vertriebschef Michael Beer kündigte auf LinkedIn an, dass der Aufsichtsrat den Umbau bereits beschlossen hat. Künftig sollen sogenannte Validatoren zum Einsatz kommen.
Neue Validatoren statt Automaten
Die kompakten Geräte dienen nicht nur zum Kauf eines Fahrscheins, sondern auch als Nachweis bei einer späteren Kontrolle. Für den Ticketkauf genügt es, eine kontaktlose Bankkarte an das Lesegerät zu halten. Die Fahrberechtigung wird anschließend digital in einer Cloud gespeichert. Grundlage sind sogenannte ID-based- und Account-based-Ticketing-Systeme. Das Ticket wird dabei entweder direkt dem verwendeten Zahlungsmittel oder dem persönlichen Kundenkonto zugeordnet. Papierfahrscheine und Barzahlung wären bei diesem Verfahren überflüssig.
Digitalisierung des Ticketverkaufs
Die neuen Validatoren sollen die bisherigen Automaten nicht einfach ersetzen, sondern ein komplett neues Vertriebssystem bilden. Die BVG verspricht sich einen schnelleren und bequemeren Ticketkauf – besonders für Gelegenheitsnutzer sowie Touristen. Welche Ticketarten verfügbar sein werden und welche Zahlungsmethoden außer Bankkarten unterstützt werden, ließ Beer allerdings offen.
Die Entwicklung überrascht nicht. Nach Angaben von BVG-Sprecherin Franziska Ellrich werden Fahrscheine inzwischen überwiegend digital oder über Abonnements wie das Deutschlandticket gekauft. In Straßenbahnen wurden im ersten Halbjahr 2026 durchschnittlich nur noch rund sechs Tickets pro Fahrzeug und Tag verkauft. Deshalb besitzen die neuen Urbanliner-Straßenbahnen bereits keine Fahrkartenautomaten mehr.
Kritik an den Plänen
Wann die Umstellung abgeschlossen sein soll, ist noch unklar. Verkehrssenatorin Ute Bonde hatte jedoch bereits erklärt, dass es in Berlin „in einigen Jahren keine Fahrscheinautomaten mehr“ geben werde. Der Fahrgastverband IGEB sieht die Pläne kritisch. Er warnt vor Nachteilen für Menschen ohne Bankkarte oder Smartphone und fordert, den analogen Ticketverkauf nicht vollständig privaten Verkaufsstellen zu überlassen. Außerdem müsse gewährleistet sein, dass das neue System automatisch den günstigsten verfügbaren Tarif berechnet.



