Der KI-Entwickler Anthropic hat sich Rechenkapazitäten im Wert von zehn Milliarden US-Dollar bei dem erst wenige Monate alten Infrastruktur-Start-up Volta Infrastructure Holdings gesichert. Damit reagiert das Unternehmen auf die steigende Nachfrage nach seinen KI-Produkten wie dem Sprachmodell Claude.
Deal über sechs Jahre mit Bitdeer
Der Vertrag umfasst die Nutzung eines Rechenzentrums, das von Volta in Zusammenarbeit mit der Bitcoin-Mininggesellschaft Bitdeer Technologies Group an einem Standort in Norwegen betrieben wird. Die Laufzeit beträgt sechs Jahre, wie Volta mitteilte. Der Standort soll eine Kapazität von 133 Megawatt bieten und mit Nvidias neuesten Vera-Rubin-Chips ausgestattet werden.
Volta hatte bereits am Dienstag bekannt gegeben, einen Auftrag im Wert von zehn Milliarden US-Dollar von einem nicht genannten KI-Labor erhalten zu haben. Volta-CEO Ricard Boada lehnte es ab, den Kunden zu nennen. Vertreter von Anthropic und Bitdeer wollten sich nicht äußern.
Anthropic verstärkt Bemühungen um Rechenressourcen
Anthropic hat seine Anstrengungen zur Sicherung zusätzlicher Rechenressourcen in den vergangenen Monaten deutlich verstärkt, da immer mehr Unternehmen und Verbraucher seine Werkzeuge einsetzen, um Programmierarbeiten und andere Aufgaben effizienter zu gestalten. Das Unternehmen hat bereits Vereinbarungen über Rechenkapazitäten mit Elon Musks SpaceX, Advanced Micro Devices und Akamai Technologies geschlossen. Wie Bloomberg News berichtete, führt der KI-Entwickler außerdem Gespräche über die Anmietung von Rechenleistung aus den Rechenzentren von Meta Platforms.
Anthropic nahm Anfang dieses Jahres in einer Finanzierungsrunde 65 Milliarden US-Dollar auf, um die enormen Kosten der KI-Entwicklung zu finanzieren. Zudem erwägt das Unternehmen einen Börsengang, der noch in diesem Jahr erfolgen könnte, um sich zusätzliches Kapital an den öffentlichen Märkten zu beschaffen.
Hintergrund: Volta und Bitdeer
Volta wurde im Januar von ehemaligen Führungskräften der Brookfield Asset Management gegründet. Das Unternehmen vermietet Rechenkapazitäten für KI-Anwendungen und unterstützt seine Kunden bei der Finanzierung kostspieliger Chipgeschäfte. Am Dienstag gab das Start-up außerdem bekannt, 300 Millionen US-Dollar an Risikokapital aufgenommen zu haben, wodurch es mit 2,4 Milliarden US-Dollar bewertet wird.
Voltas Partner Bitdeer gehört zu einer wachsenden Zahl von Bitcoin-Mining-Unternehmen, die angesichts fallender Bitcoin-Preise Teile ihrer Rechenzentren vom Schürfen der Kryptowährung auf die Unterstützung von KI-Anwendungen umstellen. Einer am 21. Juli veröffentlichten monatlichen Betriebsmitteilung zufolge plant Bitdeer, einige seiner Kryptostandorte in Texas, Tennessee und im Bundesstaat Washington entsprechend umzurüsten.
Wettlauf um Rechenzentren
Sowohl Anthropic als auch sein Konkurrent OpenAI greifen auf eine Mischung aus großen Technologiekonzernen und neueren Cloud-Computing-Start-ups zurück, um die Rechenzentrumskapazitäten aufzubauen, die sie für die Entwicklung leistungsfähigerer KI-Systeme und deren breitere Nutzung für erforderlich halten.
OpenAI-Chef Sam Altman erklärte bereits, dass er damit rechnet, dass das Unternehmen „Billionen“ für die physische KI-Infrastruktur ausgeben werde. Das Start-up plant derzeit ein neues Rechenzentrum im US-Bundesstaat Georgia, das mehr als 30 Milliarden US-Dollar kosten könnte. Wie Bloomberg News berichtete, führt Nvidia außerdem Gespräche darüber, OpenAI bei der Anmietung eines 500 Milliarden US-Dollar teuren Rechenzentrumsstandorts mit einer Leistung von zehn Gigawatt zu unterstützen, dessen Entwicklung in Ohio von der SoftBank Group geleitet wird.
Kritik an Finanzierungsvereinbarungen
Im vergangenen Jahr wurden mehrere Finanzierungsvereinbarungen rund um OpenAI und Anthropic wegen ihres kreislaufartigen Charakters kritisiert. Durch solche Geschäfte entsteht ein immer stärker verflochtenes Netz gegenseitiger Abhängigkeiten zwischen Technologieanbietern und KI-Entwicklern. Dieses birgt die Gefahr, Verluste zu verstärken, sollte die Nachfrage nach KI hinter den hohen Erwartungen zurückbleiben.



