KI-Firmen kaufen Berliner Antiquariate leer: Moralische Bedenken
KI-Firmen kaufen Berliner Antiquariate leer

Im Frühjahr erhielt das Antiquariat Hennwack in Berlin-Steglitz eine ungewöhnliche Anfrage: Ein kanadisches Unternehmen bot an, die Hälfte des gesamten Bestandes zu kaufen – und zu einem späteren Zeitpunkt auch den Rest. Dies ist kein Einzelfall. Immer häufiger leeren KI-Firmen die Regale Berliner Antiquariate, um an das in alten Büchern enthaltene Wissen zu gelangen. Die Unternehmen nutzen die Bücher, um ihre Sprachmodelle zu trainieren, was für die Händler ein moralisches Dilemma darstellt.

Hintergrund des Ankaufs: Warum KI-Firmen alte Bücher kaufen

KI-Modelle wie ChatGPT benötigen riesige Mengen an Textdaten, um menschenähnliche Antworten generieren zu können. Alte Bücher sind dabei besonders wertvoll, da sie oft urheberrechtsfreies Wissen aus vergangenen Jahrhunderten enthalten. Die kanadische Firma, die Hennwack kontaktierte, ist nicht die einzige. Auch andere Berliner Antiquariate berichten von ähnlichen Anfragen. Die Unternehmen zahlen oft hohe Summen, um an die Bestände zu gelangen.

Moralische Bedenken der Händler

„Es ist moralisch schwierig“, sagt ein Händler aus Berlin-Charlottenburg. „Einerseits bringt es viel Geld, andererseits gehen damit kulturelle Schätze verloren, die vielleicht nie wieder auftauchen.“ Viele Antiquare fürchten, dass die Bücher nach dem Scannen entsorgt oder eingelagert werden, ohne dass die Öffentlichkeit weiterhin Zugang hat. Einige Händler lehnen die Geschäfte daher ab, obwohl sie finanziell verlockend sind.

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Auswirkungen auf den Antiquariatsmarkt

Die Nachfrage treibt die Preise für alte Bücher in die Höhe. Laut einer Umfrage des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels haben sich die Umsätze in manchen Antiquariaten durch solche Massenkäufe verdoppelt. Gleichzeitig klagen Sammler und Bibliotheken, dass seltene Ausgaben immer schwerer zu finden sind. „Das ist eine Entwicklung, die den Markt nachhaltig verändern wird“, so ein Branchenexperte.

Zukunft des Wissens in der KI-Ära

Während KI-Firmen das Wissen aus Büchern digitalisieren, bleibt die Frage, ob dieses Wissen der Allgemeinheit erhalten bleibt. Bisher gibt es keine Verpflichtung, die gescannten Daten öffentlich zugänglich zu machen. Kulturpolitiker fordern daher, dass die Unternehmen die digitalisierten Inhalte nach dem Training in öffentliche Archive einstellen. „Es darf nicht sein, dass unser kulturelles Erbe in den Datenbanken privater Konzerne verschwindet“, so ein Sprecher des Berliner Senats.

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