Kourou (Französisch-Guayana) – Europa baut Satelliten, liefert Technik für Mondmissionen und bildet Astronauten aus. Doch Menschen ins All bringt Europa bis heute nicht mit einer eigenen Rakete. Das könnte sich eines Tages ändern. David Cavaillolès, Chef des europäischen Raketenbetreibers Arianespace, sagte im Gespräch mit BILD am Rande des aktuellen Raketenstarts am Mittwochmittag in Kourou: „Ariane 6 könnte Astronauten ins All bringen. Ich wäre sehr glücklich, das zu sehen.“
Noch gibt es keine europäische Lösung
Bislang sind europäische Astronauten auf Partner angewiesen. Zur Internationalen Raumstation ISS flogen ESA-Astronauten zuletzt mit NASA/SpaceX-Missionen. Jahrelang spielten auch russische Sojus-Raketen bei ISS-Missionen eine wichtige Rolle. Auch beim neuen Mondprogramm Artemis ist Europa zwar beteiligt: Die ESA liefert wichtige Technik für das Orion-Raumschiff. Gestartet wurde die bemannte Artemis-II-Mission aber mit der amerikanischen SLS-Rakete.
Doch Cavaillolès macht klar: Noch ist Ariane 6 für bemannte Missionen nicht vorbereitet. Der Arianespace-Chef sagte zu BILD: „Das würde Anpassungen erfordern, besonders bei der Sicherheit.“ Solche Investitionen seien groß. Deshalb brauche es einen klaren politischen Willen. „An dem Tag, an dem Politiker es möglich machen wollen, liefern wir.“
Ariane 6 soll Bundeswehr-Satelliten starten
Bislang ist Ariane 6 vor allem für Satellitenmissionen gebaut. Beim aktuellen Start in Kourou sind 36 Satelliten für Amazons Satelliteninternet-Netz Leo an Bord. Doch Ariane 6 soll nicht nur für kommerzielle Raumfahrt wichtig werden. Arianespace hat unter anderem bereits den Auftrag für den Start von zwei deutschen Militärsatelliten. Sie gehören zum System SATCOMBw Stufe 3 und sollen der Bundeswehr künftig sichere Satellitenkommunikation ermöglichen.
Cavaillolès sagte zu BILD: „Wenn die Satelliten bereit sind, werden wir bereit sein, sie in den Orbit zu bringen.“ Die Starts sollen nach seinen Angaben „in ein paar Jahren“ erfolgen. Für den Arianespace-Chef geht es dabei auch um Europas Unabhängigkeit im All. „Beim Weltraum geht es um Souveränität“, sagte er. Streitkräfte bräuchten Satelliten für Aufklärung und Kommunikation.



