Astronauten müssen nicht nur körperlich fit sein und extremen Belastungen standhalten, sondern im Notfall auch unangenehme medizinische Eingriffe vornehmen können – etwa Zähne ziehen oder Wunden nähen. Der deutsche ESA-Astronaut Matthias Maurer berichtete am Rande eines Besuchs mit Raumfahrtministerin Dorothee Bär (CSU) im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln über ein spezielles Training, das Astronauten auf solche Szenarien vorbereitet.
Medizinisches Feldtraining für Astronauten
„Als ESA-Astronaut macht man ein medizinisches Feldtraining. Wir gehen in eine Klinik und durchlaufen verschiedene Stationen“, sagte Maurer der Deutschen Presse-Agentur. Dabei üben die Raumfahrer unter anderem das Nähen von Wunden oder das Legen eines Katheters bei Harnverhalt. Auch zahnärztliche Behandlungen gehören zum Programm. „Teil der Ausbildung war dann auch bei mir, dass ich einen richtigen Zahn ziehen durfte. Also ein fauler Zahn war es, kein gesunder Zahn.“
Zahnziehen an echten Patienten
Auf Nachfrage erläuterte Maurer, dass er diese Prozedur bisher bei zwei Patienten durchgeführt habe. Es habe sich jeweils um ältere Personen gehandelt, eine davon habe nur noch einen Zahn gehabt. „Und das war unter strenger ärztlicher Aufsicht, und diese Person wurde vorinformiert und hat sich bereit erklärt, dass das von einem Nicht-Profi, so wie mir, dann durchgeführt werden durfte.“ Maurer gab zu, dass er mit den Patienten mitgelitten habe. „Wahrscheinlich habe ich sogar mehr gelitten, weil es doch eine unangenehme Sache ist, jemandem einen Zahn zu ziehen.“
Maurer hofft auf Mondmission
Der 56-jährige Astronaut ist optimistisch, dass er an einer der „Artemis“-Mondmissionen der US-Raumfahrtbehörde Nasa teilnehmen wird. „Ich denke, ich habe eine ganz große Chance, zum Mond zu fliegen, vielleicht auch auf dem Mond zu landen, den Mond zu erkunden. Das ist ein ganz großer Traum von mir.“ Scherzhaft meinte Maurer, die Wahrscheinlichkeit, dass ein Deutscher zum Mond fliege, schätze er fast größer ein als einen fünften Weltmeistertitel der deutschen Nationalmannschaft.
Geplante Artemis-Missionen
Nach der weltweit beachteten Mondumrundung von „Artemis 2“ im Frühjahr 2025 sollen im folgenden Jahr Astronauten mit „Artemis 3“ Andockmanöver mit Mondlandefähren in der Erdumlaufbahn erproben. Daran wird der Italiener Luca Parmitano als europäischer Raumfahrer teilnehmen. Für 2028 sind mit „Artemis 4“ und „Artemis 5“ zwei Mondmissionen geplant, bei denen erstmals nach einem halben Jahrhundert wieder Menschen auf dem Mond landen sollen. Für Europa könnten Maurer oder Alexander Gerst (50) an Bord sein. Die Entscheidung steht noch aus und soll vom Chef der Europäischen Raumfahrtbehörde Esa, Josef Aschbacher, getroffen werden, wie dieser im Juni auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) erklärte.
Sowohl Gerst als auch Maurer sind erfahrene Astronauten: Gerst flog 2014 und 2018 zur Internationalen Raumstation ISS, Maurer 2021.



