Der Countdown läuft: Am 1. Oktober beginnt an der Medizinischen Universität Lausitz in Cottbus offiziell das erste Semester. Für den 11. Oktober ist die Immatrikulationsfeier geplant, wie eine Sprecherin des Wissenschaftsministeriums der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Damit startet ein Projekt, das die Gesundheitsversorgung und den Strukturwandel in der Lausitz nachhaltig prägen soll.
Zum Wintersemester 2026/2027 nimmt der Modellstudiengang Humanmedizin zunächst 36 Studentinnen und Studenten auf. Das Ministerium rechnet damit, die Zahl der Studienanfängerinnen und -anfänger bis zum Jahr 2035 auf 165 pro Jahr zu steigern. Der Studiengang ist bewusst als Modell angelegt: Digitale Unterstützung und eine patientenzentrierte Ausrichtung sollen den angehenden Ärztinnen und Ärzten frühzeitig die Praxis der Zukunft vermitteln.
Ein Konzept mit langer Vorgeschichte
Die Grundlage für die neue Universität wurde vor fünf Jahren gelegt. Am 3. August 2021 übergab eine Expertenkommission unter Leitung von Karl Max Einhäupl der Brandenburger Landesregierung ihre Empfehlungen für den Aufbau der Universitätsmedizin in der Lausitz. Die Kommission hatte zuvor über Monate ein detailliertes Konzept erarbeitet, das sowohl die wissenschaftlichen als auch die regionalen Besonderheiten berücksichtigt.
Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) würdigt die Unimedizin als Vorbild für ganz Deutschland. „Wo jahrzehntelang Kohle gefördert wurde, entsteht eine Modellregion für Gesundheit und Forschung. Das ist mehr als ein Strukturprojekt – es ist ein Versprechen an die Menschen in Brandenburg“, erklärte er. Die Universität steht damit sinnbildlich für den Wandel einer Region, die lange vom Braunkohlebergbau geprägt war und nun neue Perspektiven erhält.
Ein Projekt für die Lausitz
Die Lausitz ist eine der vom Kohleausstieg betroffenen Regionen in Deutschland. Über Generationen prägte der Braunkohleabbau Arbeitsplätze, Ortsbilder und das Selbstverständnis der Menschen. Mit der neuen Universität entsteht nun ein Leuchtturmprojekt, das weit über die medizinische Ausbildung hinausweist. Es verbindet den Strukturwandel mit der Zukunft von Wissenschaft und Gesundheitswirtschaft.
Die Universität ist in Cottbus angesiedelt – der größten Stadt der Lausitz. Sie soll dazu beitragen, dass die Region nicht nur als Energie- und Industrieregion wahrgenommen wird, sondern auch als Zentrum für innovative Medizin und Forschung. Geplant ist ein enger Austausch zwischen universitärer Lehre, klinischer Praxis und regionaler Versorgung, auch wenn die konkrete Ausgestaltung der Klinikstrukturen noch weiterentwickelt wird.
So denkt Brandenburgs Wissenschaftsministerin
Wissenschaftsministerin Manja Schüle (SPD) unterstreicht den innovativen Charakter des Projekts. In Cottbus entstehe eine Medizin, die es in dieser Form bislang nicht gibt, sagte sie gegenüber der DPA. „Hier werden die Ärztinnen und Ärzte von morgen ausgebildet – hier wird erprobt, wie gute Versorgung künftig gelingt.“ Das Curriculum sei digital gestützt und patientenzentriert ausgerichtet – ein Ansatz, der besonders für ländliche und alternde Regionen relevant ist.
Die Universität soll nicht nur Studierende ausbilden, sondern auch die Gesundheitsversorgung vor Ort verbessern. Der Aufbau wird von der Landesregierung als Antwort auf den demografischen Wandel und den zunehmenden Ärztemangel in der Fläche verstanden.
Drei Herausforderungen, eine Einrichtung
Mit der neuen Unimedizin sollen gleich drei große gesellschaftliche Herausforderungen angegangen werden:
- der Strukturwandel in der Lausitz nach dem Kohleausstieg,
- die Sicherung der Gesundheitsversorgung auf dem Land und in einer alternden Region,
- der Ausbau von Wissenschaft und Forschung als Zukunftsanker für die Wirtschaftskraft.
Gerade die Gesundheitsversorgung ist ein drängendes Thema: Viele ländliche Regionen in Brandenburg leiden unter unterbesetzten Hausarztpraxen und langen Wegen zu Spezialisten. Die neue Universität soll helfen, das zu ändern – durch eine Ausbildung, die an den konkreten Bedarfen der Region ausgerichtet ist und die Nähe zu den Menschen sucht.
Der Weg in die Zukunft
Der Studienstart ist mehr als ein akademisches Ereignis – er sendet ein starkes Signal an die Bevölkerung. Die Hochschule wird als Motor für Fachkräfte und Innovation gesehen. Die Planungen sehen vor, dass bis 2035 jährlich 165 Erstsemester ihr Studium aufnehmen. Dieser kontinuierliche Aufwuchs ermöglicht es, nach und nach die nötige Infrastruktur aufzubauen und den Lehrbetrieb zu erweitern.
Die ersten Studierenden werden ihr Studium in einem Umfeld beginnen, das bewusst anders sein soll als an traditionellen Medizinfakultäten. Der Fokus liegt auf der digitalen Unterstützung des Lernens und einer engen Orientierung an den Patientinnen und Patienten. Damit versteht sich die Universität als Modelllabor – nicht nur für Brandenburg, sondern auch für andere Regionen in Deutschland, die vor ähnlichen Strukturbrüchen stehen.
Die kommenden Jahre werden zeigen, wie sich das Konzept in der Praxis bewährt. Sicher ist: Die Medizinische Universität Lausitz setzt ein deutliches Zeichen für den Aufbruch der Region – mit einem Studienangebot, das weit über die Landesgrenzen hinauswirken kann.



