Sensationsfund: Alle 20 Urmenschen aus Höhle sind weiblich
Sensationsfund: Alle 20 Urmenschen sind weiblich

Ein sensationeller Fund in Südafrika stellt die Paläoanthropologie vor ein Rätsel: Alle 20 Urmenschenknochen, die aus einer Höhle im Norden des Landes stammen, scheinen weiblich zu sein. Die Entdeckung wirft die Frage auf, ob die Menschheitsgeschichte umgeschrieben werden muss. Die Fossilien gehören zur Art Homo naledi, einer frühen Menschenart, die vor etwa 250.000 bis 300.000 Jahren lebte.

Die Entdeckung in der Rising-Star-Höhle

Die Knochen wurden im Jahr 2013 in der Rising-Star-Höhle in der Provinz Gauteng entdeckt. Seitdem haben Forscher um den Paläoanthropologen Lee Berger von der University of the Witwatersrand in Johannesburg die Überreste analysiert. Die Höhle ist schwer zugänglich und liegt etwa 30 Meter unter der Erde. Die Forscher mussten durch einen nur 18 Zentimeter breiten Spalt kriechen, um zu der Kammer zu gelangen, in der die Knochen lagen.

Bei den 20 Individuen handelt es sich um Erwachsene und Kinder. Die Geschlechtsbestimmung erfolgte anhand der Beckenknochen, die bei Frauen breiter sind als bei Männern. „Die Beckenknochen zeigen eindeutig weibliche Merkmale. Wir haben keine männlichen Beckenknochen gefunden“, sagte Berger in einer Pressekonferenz.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Rätsel um die Bestattung

Die Konzentration von ausschließlich weiblichen Individuen an einem Ort ist ungewöhnlich. Normalerweise finden Paläoanthropologen eine Mischung aus männlichen und weiblichen Fossilien. Die Forscher vermuten, dass die Höhle möglicherweise als Bestattungsort für Frauen diente. Homo naledi hatte ein Gehirn von der Größe eines Schimpansen, aber die Art könnte bereits komplexe Verhaltensweisen wie die Bestattung ihrer Toten entwickelt haben.

„Kann ein Wesen mit dem Grips eines Schimpansen seine Toten bestattet haben?“, fragt sich der SPIEGEL-Autor Johann Grolle in seinem Artikel. Die Frage ist umstritten, denn bisher ging man davon aus, dass nur der moderne Mensch und vielleicht der Neandertaler Bestattungen durchführten.

Bedeutung für die Menschheitsgeschichte

Sollte sich bestätigen, dass Homo naledi seine Toten bestattete, müsste die Menschheitsgeschichte tatsächlich umgeschrieben werden. Die Art lebte zeitgleich mit dem frühen Homo sapiens in Afrika. „Wenn Homo naledi Bestattungen durchführte, dann war diese Fähigkeit nicht auf den Homo sapiens beschränkt“, erklärt Berger.

Die Forscher planen nun, die Höhle weiter zu untersuchen und nach weiteren Fossilien zu suchen. Auch DNA-Analysen könnten Aufschluss über die Verwandtschaft der Individuen geben. „Wir stehen erst am Anfang der Analyse. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob der Fund die Paläoanthropologie revolutioniert“, so Berger.

Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachjournal „eLife“ veröffentlicht. Die Forscher betonen, dass weitere Untersuchungen nötig sind, um die Theorie der Bestattung zu untermauern. Bislang gibt es keine Spuren von Grabbeigaben oder anderen Hinweisen auf rituelle Handlungen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration