Chinas Wirtschaft wächst im zweiten Quartal nur um 4,3 Prozent
Chinas Wirtschaft wächst nur um 4,3 Prozent

Die chinesische Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2025 um 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gewachsen und blieb damit hinter den Erwartungen zurück. Analysten hatten im Schnitt mit einem Plus von 4,5 Prozent gerechnet. Es ist das schwächste Quartalswachstum seit Ende 2022. Im ersten Quartal hatte das Bruttoinlandsprodukt noch um 5,0 Prozent zugelegt. Im gesamten ersten Halbjahr wuchs die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt um 4,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das teilte das nationale Statistikamt in Peking mit.

Zweigeteilte Wirtschaft: Industrie stark, Binnenmarkt schwach

Die Zahlen zeichnen das Bild einer zunehmend zweigeteilten Wirtschaft. Während Industrie und Außenhandel weiterhin vergleichsweise stark wachsen, bleiben Konsum, Investitionen und der Immobilienmarkt schwach. Die starke Auslandsnachfrage stützt Chinas Industrie, führt bislang aber nicht zu einer breiten Erholung im Inland.

Chinas Statistiker zeigten sich dennoch optimistisch. Der Rückgang des Wachstums im zweiten Quartal sei auf „äußere Faktoren“ zurückzuführen, sagte der Vize-Kommissar des Statistikamtes Mao Shengyong. Er nannte die Konfliktlage im Nahen Osten und ein langsameres Wachstum der Weltwirtschaft. In China sei besonders die Petrochemie-Branche betroffen gewesen. Alle anderen Sektoren hätten sich jedoch normal entwickelt, erklärte er.

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Produktion und Exporte bleiben stark

Im gesamten ersten Halbjahr wuchs die Industrieproduktion um 5,4 Prozent. Im Juni legte sie um 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zu. Vor allem die internationale Nachfrage nach Halbleitern, Computertechnik und Autos stützt die chinesischen Hersteller. Das zeigte sich auch in den Handelszahlen: Die Exporte stiegen im Juni in US-Dollar gerechnet um 27 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, die Importe legten um 36 Prozent zu.

Der Exportboom dürfte allerdings die Handelskonflikte weiter verschärfen. In Deutschland und der EU wird darüber diskutiert, wie mit den rasch steigenden Einfuhren chinesischer Produkte und den Überkapazitäten in einzelnen Industriezweigen umgegangen werden soll.

Binnenmarkt und Immobilien unter Druck

Im Inland bleibt die Lage dagegen schwierig. Die Einzelhandelsumsätze stiegen im gesamten ersten Halbjahr lediglich um 1,3 Prozent. Die gesamten Anlageinvestitionen gingen von Januar bis Juni um 5,7 Prozent zurück. Noch stärker zeigt sich die Schwäche auf dem Immobilienmarkt: Die Investitionen in den Sektor brachen im ersten Halbjahr um 18 Prozent ein. Der Wert der verkauften Neubauimmobilien sank um 13,6 Prozent. Der Abschwung auf dem Immobilienmarkt gilt als Belastung für das Vertrauen und die Kaufbereitschaft vieler Haushalte.

Laut Statistiker Mao zeigte eine Umfrage seiner Behörde, dass die Immobilienbranche in diesem Jahr mit stabilen oder sogar steigenden Wohnungspreisen rechne. Erste politische Maßnahmen, um die Nachfrage anzukurbeln und den Wohnungsbestand zu senken, hätten Wirkung gezeigt, sagte er.

Hoffnung auf Wachstum durch KI

Ministerpräsident Li Qiang hatte am Montag bei einem Treffen mit Experten und Unternehmern eine stärkere Unterstützung der Wirtschaft und weitere Maßnahmen zur Belebung der Binnennachfrage gefordert. Für das Gesamtjahr strebt die chinesische Regierung ein Wachstum zwischen 4,5 und 5 Prozent an. Das Halbjahreswachstum von 4,7 Prozent entspricht damit der Zielspanne.

Außerdem fördert China verstärkt Zukunftsbranchen wie die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) und erhofft sich dadurch weiteres Wirtschaftswachstum. Der Antrieb dafür soll nicht nur durch neue Wirtschaftszweige entstehen, sondern auch durch Modernisierung mit KI in traditionellen Branchen. Unter den führenden Tech-Konzernen wie Alibaba oder Tencent herrscht schon länger starker Konkurrenzkampf, etwa bei der Integration von KI in ihren Apps.

Laut Statistikerin Wang Guanhua trugen IT- und Unternehmensdienstleistungen im ersten Halbjahr etwa ein Viertel zum Gesamtwachstum der Wirtschaft bei. Zudem habe der weltweite technologische Wandel in der KI die Nachfrage nach Computerchips enorm erhöht. Im ersten Halbjahr hätten Chinas Industrieunternehmen deshalb 279,8 Milliarden Chips hergestellt, ein Anstieg um 23,1 Prozent.

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