Angesichts der zunehmenden Spannungen mit den USA forciert Kanada die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten. Die kanadische Außenministerin Anita Anand gab nach einem Treffen mit ihrem brasilianischen Amtskollegen Mauro Vieira in São Paulo bekannt, dass man die Gespräche intensivieren wolle, mit dem Ziel, die Verhandlungen „idealerweise noch vor Ende 2026“ abzuschließen.
Sechs Verhandlungsrunden bereits absolviert
Brasilien führt die Verhandlungen im Namen des Mercosur, dem auch Argentinien, Paraguay, Uruguay und Bolivien angehören. Vieira zeigte sich zuversichtlich: „Wir haben bereits sechs Verhandlungsrunden hinter uns, die sehr gut verlaufen.“ Allerdings müssten „noch einige Details geklärt werden“. Die Gespräche zwischen Kanada und den Mercosur-Staaten laufen bereits seit Jahren, erhielten aber durch die US-Zollpolitik von Präsident Donald Trump neuen Schwung.
Kanada will Handelsabhängigkeit von den USA reduzieren
Kanada ist stark vom Handel mit den USA abhängig und sucht nun nach Alternativen. Anand kündigte an: „Wir werden die Zahl der Handelsabkommen mit Ländern außerhalb der USA in den kommenden Jahrzehnten verdoppeln.“ Die kanadische Regierung sieht in dem Mercosur-Abkommen einen wichtigen Schritt zur Diversifizierung der Wirtschaftsbeziehungen.
Landwirtschaft als Haupthindernis
Wie auch im Abkommen der EU mit den Mercosur-Staaten stellt die Landwirtschaft eine zentrale Hürde dar. Anand räumte Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen eines möglichen Abkommens auf die heimische Landwirtschaft ein. Kanadische wie auch europäische Bauern befürchten unfairen Wettbewerb durch billige Agrarprodukte aus Südamerika. Die EU hatte nach über 25 Jahren immer wieder unterbrochener Verhandlungen im Januar eine Einigung mit den Mercosur-Staaten erzielt. Das Abkommen ist vorläufig in Kraft, auch wenn die EU es noch ratifizieren muss.



