Nordkorea: Anzeichen für Wirtschaftsboom? Experte skeptisch
Nordkorea: Anzeichen für Wirtschaftsboom?

Plötzlich mehr Autos und Bauarbeiten in Nordkorea beobachtet: Boomt unter Kim Jong Un jetzt die Wirtschaft? Berichte aus der abgeschotteten Diktatur lassen aufhorchen: Dem Anschein nach gelingt Kim Jong Un eine Wirtschaftswende, womöglich mithilfe von Putin. Doch ein Experte zeigt sich skeptisch.

Nordkorea: Mehr Autos und Bauarbeiten in Pjöngjang

Augenscheinlich läuft es derzeit gut für die abgeschottete Atommacht Nordkorea: Am Montag und Sonntag traf sich Außenministerin Choe Son Hui bei einem Moskau-Besuch mit ihrem russischen Kollegen Sergej Lawrow und mit Wladimir Putin. Sie richtete dem Kreml-Chef die Grüße des nordkoreanischen Diktators Kim Jong Un aus. Kim hatte den Krieg gegen die Ukraine mit schätzungsweise 14.000 Soldaten unterstützt und bekommt im Gegenzug russische Hilfen.

Aus Nordkorea selbst, wo nur wenige Ausländer einreisen dürfen, erreichen uns unterdessen erstaunliche Berichte. Sie wollen so gar nicht zum Bild eines verarmten, wirtschaftlich abgehängten Landes passen: In der Hauptstadt Pjöngjang sollen viele neue Wohnhäuser gebaut worden sein. Es seien mehr Fahrzeuge unterwegs als früher und auch die Stromversorgung habe sich verbessert. Bereits vor einem Jahr machte die Eröffnung eines Luxusressorts am Strand von Wonsan Schlagzeilen.

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Geschätztes Wachstum von 3,7 Prozent

Die vorhandenen Wirtschaftsdaten deuten ebenfalls nach oben. Die südkoreanische Zentralbank gibt für das Nachbarland ein geschätztes Wachstum von 3,1 Prozent (2023) beziehungsweise 3,7 Prozent (2024) an. Es ist ein deutlicher Anstieg, nachdem das nordkoreanische Bruttoinlandsprodukt in der Coronapandemie eingebrochen war. Für die Schätzung werden unter anderem Geheimdienstinformationen und Satellitendaten herangezogen, wie Korea-Experte Frederic Spohr dem Tagesspiegel erklärte.

Spohr sieht allerdings trotzdem „keine klaren Anzeichen für einen breiten und nachhaltigen Aufschwung der nordkoreanischen Wirtschaft“. Das geschätzte Wachstum? Es dürfte teilweise auf Nachholeffekte im Nachgang der Pandemie zurückzuführen sein. Die Bauarbeiten und Autos in Pjöngjang? Das könnte daran liegen, dass die Ressourcen noch stärker als sonst auf die Hauptstadt konzentriert werden. Zudem sei der Autobesitz rechtlich einfacher geworden. Auch deuteten jüngste Berichte auf eine starke Zunahme der Inflation hin, was für eine weiterhin schwierige Versorgungslage spreche. Ein großer Teil der Bevölkerung dürfte von den Preissteigerungen hart getroffen werden, so Spohr.

Bündnis mit Russland: Hilfen für die Wirtschaft?

Aber was ist mit dem Bündnis mit Russland? Neben Handelspartner China ist Russland für Nordkorea zu einem wichtigen Verbündeten geworden. Beide Länder gingen im Juni 2024 eine strategische Partnerschaft ein. Eine von der Naumann-Stiftung beauftragte Studie schätzt den Wert der für Russland bereitgestellten Militärhilfe auf fast zehn Milliarden Dollar. Das mache ungefähr ein Drittel der geschätzten jährlichen Wirtschaftsleistung Nordkoreas aus. Unklar ist laut Spohr allerdings, wie Russland die Hilfe vergütet.

„Klar ist, dass dieser wirtschaftliche Gegenwert bislang offenbar nicht in größerem Umfang der gesamten Volkswirtschaft oder der breiten Bevölkerung zugutekommt“, sagt der Experte. Stattdessen profitiere wahrscheinlich das Militär von Russlands Gegenleistungen, weil Technologie aus Moskau in Rüstungsbetriebe transferiert werde. Außerdem könne sich Kims Regime über die politische Unterstützung aus Moskau freuen – und Nordkoreas Elite über Geldzahlungen auf ihre Konten.

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