Bangkok. Die Scam-Industrie in Südostasien boomt. Immer mehr Menschen werden in falsche Versprechungen gelockt und gezwungen, andere zu betrügen. Einer von ihnen ist Kasun, der in eine Falle geriet und nun online Menschen um ihr Geld bringt. Die Täter sitzen vor allem in Ländern wie Kambodscha, Myanmar und Laos. Viele von ihnen sind selbst Opfer von Menschenhändlern, wie Felix Lill, Freier Journalist, berichtet.
Die Masche der Betrüger
Die Scam-Zentren arbeiten nach einem perfiden Schema: Sie locken junge Menschen aus armen Verhältnissen mit gut bezahlten Jobs in der IT-Branche. Doch statt eines legalen Arbeitsplatzes erwartet die Opfer eine Gefangenschaft in bewachten Anlagen. Dort müssen sie unter Androhung von Gewalt täglich hunderte Menschen anrufen oder anschreiben, um sie in Fake-Investments oder Liebesfallen zu locken. Kasun berichtet, dass er bis zu 16 Stunden am Tag arbeiten musste. Die Täter erbeuten so weltweit Milliardenbeträge.
Die Rolle der Regierungen
Die Regierungen in Südostasien sind oft überfordert oder sehen tatenlos zu. Kambodscha und Myanmar haben zwar Gesetze gegen Menschenhandel erlassen, doch die Umsetzung ist schwach. Internationale Organisationen fordern mehr Druck auf die Länder, um die Zentren zu schließen. Laut einem Bericht der Vereinten Nationen wurden allein 2023 über 100.000 Menschen in solche Scam-Zentren verschleppt. Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen.
Die Opfer der Opfer
Die eigentlichen Verlierer sind die Betrugsopfer in Europa, Asien und Amerika. Sie verlieren oft ihre gesamten Ersparnisse. Viele von ihnen sind ältere Menschen, die auf falsche Versprechungen hereinfallen. Kasun sagt: „Ich weiß, dass ich Unrecht tue, aber ich habe keine Wahl. Sie drohen, meine Familie zu töten.“ Die Täter nutzen moderne Technologie wie KI-Stimmen und gefälschte Videos, um ihre Opfer zu täuschen.
Auswege und Hilfe
Einige der Verschleppten können fliehen oder werden von Hilfsorganisationen befreit. Doch die meisten bleiben in den Zentren gefangen. Die internationale Gemeinschaft muss mehr tun, um die Netzwerke zu zerschlagen. Betroffene sollten misstrauisch sein bei ungewöhnlichen Jobangeboten aus dem Ausland und vor Reisen nach Südostasien genau prüfen, wer sie einstellt. Die Polizei in Thailand hat in diesem Jahr bereits mehrere Razzien durchgeführt, doch die Zentren verlagern sich ständig.



