Ein Nachbar des mutmaßlichen Attentäters Abdul B. hat der Polizei Details zu dessen Leben und möglichen Motiven genannt. Zeitgleich durchkämmen die Einsatzkräfte Berliner Bahnhöfe und andere Verkehrsknotenpunkte, um den flüchtigen 29-jährigen Syrer zu fassen. Der Anschlag ereignete sich am Samstagabend am Rande des Christopher Street Days im Berliner Stadtteil Schöneberg.
Hergang des Anschlags
Ein grauer Kleinwagen raste gegen 20:30 Uhr in eine Gruppe von Teilnehmern der CSD-Demonstration. Nach Polizeiangaben war die Veranstaltung friedlich, bis das Fahrzeug ohne erkennbares Bremsmanöver in die Menschenmenge fuhr. Eine 32-jährige Frau erlitt tödliche Verletzungen, 16 weitere Personen wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt. Rettungskräfte versorgten die Opfer noch am Tatort, mehrere wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht. Der mutmaßliche Täter Abdul B. flüchtete zu Fuß und konnte trotz sofort eingeleiteter Fahndung noch nicht gefasst werden.
Hintergründe zum Tatverdächtigen
Abdul B. lebt seit 2015 in Deutschland, besitzt eine Aufenthaltserlaubnis. Ein Nachbar, der namentlich nicht genannt werden möchte, berichtete, der Syrer habe sich in den letzten Monaten zunehmend radikalisiert. „Er sprach immer häufiger über den Islamischen Staat und kritisierte die westliche Lebensweise offen“, sagte der Anwohner der Polizei. Der Nachbar gab auch an, dass Abdul B. in den Tagen vor der Tat ungewöhnlich nervös gewirkt habe. Die Behörden werten derzeit sein Handy und sein Umfeld aus, um mögliche Verbindungen zu terroristischen Netzwerken zu prüfen.
Ermittlungen und Fahndungsmaßnahmen
Die Polizei hat die Fahndung auf die gesamte Stadt ausgedehnt. „Wir durchsuchen Hauptbahnhof, Ostbahnhof und mehrere S-Bahnstationen mit Hochdruck“, erklärte eine Sprecherin. Auch Zug- und Busverbindungen werden überwacht. Die Sicherheitsbehörden gehen von einer islamistischen Motivation aus, da Abdul B. in sozialen Medien mehrfach radikale Inhalte geteilt habe. Die Generalstaatsanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen. Bisher wurden drei Wohnungen durchsucht, Beweismaterial sichergestellt. Die Polizei bittet die Bevölkerung um Mithilfe: Hinweise auf den Aufenthaltsort von Abdul B. können unter der Hotline 0800-123456 gemeldet werden.
Reaktionen und Auswirkungen
Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) verurteilte die Tat scharf. Sie sprach von einem „feigen Angriff auf unsere freiheitliche Gesellschaft“. Der CSD-Organisation zeigte sich erschüttert, kündigte aber an, die Demonstration fortzusetzen. „Wir lassen uns nicht einschüchtern“, so ein Sprecher. Am Sonntag fand eine spontane Mahnwache am Brandenburger Tor statt, an der mehrere tausend Menschen teilnahmen. Die Polizei verstärkte die Präsenz auf öffentlichen Plätzen. Aktuell gibt es keine Hinweise auf weitere geplante Anschläge, die Lage gilt aber als angespannt. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren.



