Pünktlich zu den Sommerferien kommt für Verbraucher eine gute Nachricht aus Brüssel. In der Europäischen Union werden die Rechte von Fluggästen spürbar gestärkt. Am Montag billigten die EU-Mitgliedstaaten einen Kompromiss, den zuvor schon das Europaparlament angenommen hatte. Den Airlines wird es schwerer gemacht, den Kunden mit zweifelhaften Tricks beim Ticketkauf oder am Flughafen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Wer in den kommenden Monaten in den Urlaub fliegt, wird zwar noch nicht davon profitieren. Aber spätestens im Sommer des kommenden Jahres sollten die neuen Regelungen greifen.
Höhere Entschädigung? Die große Lücke der Reform
Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass an einer ganz entscheidenden Stelle die Rechte eben nicht gestärkt werden: Bei größeren Verspätungen oder Flugausfällen gibt es keine höheren Entschädigungen als bisher. Das konnte die Luftfahrt-Lobby mit Unterstützung der Mitgliedstaaten verhindern. Auch die Vorschrift, dass Fluggästen die kostenlose Mitnahme eines Handgepäckstücks gestattet werden muss, fehlt im Gesetz. Der EU-Gesetzgeber hat hier eine einmalige Gelegenheit vertan.
Branche in der Krise – zu Lasten der Passagiere?
Es ist schon richtig, dass es der Luftfahrt-Branche in Europa nicht gut geht. Die Spätfolgen der Pandemie, hohe Kerosinpreise und Gebühren sowie die angespannte weltpolitische Lage belasten das Geschäft. Eine ganz andere Frage ist freilich, ob Fluggäste über gestiegene Ticketpreise hinaus noch einen weiteren Beitrag zur Stabilisierung des Sektors leisten sollten. Aus Verbrauchersicht kann die Antwort nur lauten: Nein – die eigenen Probleme muss die Branche schon selbst lösen. Leider haben die EU-Staaten das anders gesehen.



