EU-Kommission beendet Zuschuss für Biennale
Die Europäische Union hat die finanzielle Unterstützung für die Kunstbiennale in Venedig eingestellt. Grund ist die umstrittene Teilnahme Russlands an der renommierten Ausstellung zeitgenössischer Kunst. Die Europäische Exekutivagentur für Bildung und Kultur (EACEA) folgte einer rechtlichen Bewertung und Empfehlung der EU-Kommission und beendete den laufenden Zuschuss in Höhe von zwei Millionen Euro an die Fondazione La Biennale di Venezia, wie ein Kommissionssprecher in Brüssel mitteilte.
„Kulturvorhaben, die mit europäischen Steuergeldern finanziert werden, sollten demokratische Werte wahren sowie offenen Dialog, Vielfalt und Meinungsfreiheit fördern – Werte, die im heutigen Russland nicht geachtet werden“, erläuterte der Sprecher. Die EU hatte mit dem Zuschuss unter anderem Filmproduzenten und immersive Technik unterstützt.
Russlands Rückkehr nach drei Jahren
Russland nimmt erstmals seit dem Beginn seiner Invasion in der Ukraine im Jahr 2022 wieder an der Kunstbiennale teil. Rund 50 vom russischen Staat handverlesene Künstler, darunter Musiker, Dichter und Philosophen, arbeiteten an dem Musik- und Performanceprojekt „Der Baum ist im Himmel verwurzelt“. Der Pavillon, der Eigentum des russischen Staates ist, bleibt für ein breites Publikum geschlossen. Besucher können die Installation jedoch draußen auf einem großen Bildschirm sehen. Moskau sieht die Teilnahme als Ende seiner kulturellen Isolation im Westen.
Die Entscheidung stieß auf scharfe Kritik. Die Ukraine protestierte gegen Russlands Teilnahme, auch weil im Zuge des Moskauer Krieges nach offiziellen Angaben Kyjiws mittlerweile Tausende Kulturdenkmäler und andere kulturelle Einrichtungen zerstört oder beschädigt wurden. Außenminister Andrij Sybiha und Kulturministerin Tetjana Bereschna wiesen darauf hin, dass die designierte Leiterin des russischen Pavillons Kontakte zur Rüstungsindustrie ihres Landes habe.
Proteste und hybride Kriegsführung
Schon nach der Ankündigung der russischen Teilnahme hatte es Kritik gegeben. Die russische Kulturoffensive wurde als Teil von Moskaus „hybrider Kriegsführung“ verurteilt. Mitglieder der EU-Kommission hatten im März angekündigt, die Aussetzung oder Beendigung des laufenden EU-Zuschusses an die Biennale-Stiftung zu prüfen. „Diese Entscheidung der Fondazione Biennale ist nicht vereinbar mit der kollektiven Reaktion der EU auf die brutale Aggression Russlands“, kritisierten Glenn Micallef und Henna Virkkunen.
Trotz der Kontroverse liegen die Besucherzahlen nach Schätzungen deutlich höher als 2024. Die italienische Nachrichtenagentur Adnkronos berichtete Mitte Juli unter Berufung auf Quellen in Venedig von einem Besucherplus von 20 Prozent. Vor vielen nationalen Pavillons gebe es Schlangen. Sollte sich der Trend fortsetzen, würde die aktuelle Ausgabe zur bestbesuchten Kunstbiennale ihrer mehr als 125-jährigen Geschichte. Die Ausstellung dauert noch bis zum 22. November.



