Vertuschung in Annecy? Stadt kauft Zeitung auf – Bericht über Vergewaltigung verschwunden
Annecy: Stadt kauft Zeitung auf – Vergewaltigungsbericht verschwunden

In der französischen Alpenstadt Annecy sorgt ein rätselhafter Vorfall für Aufsehen: Eine Regionalzeitung, die über Vergewaltigungsvorwürfe gegen einen Stadtrat berichtete, war kurz nach ihrem Erscheinen fast vollständig vergriffen. Nun steht der Verdacht im Raum, dass die Stadtverwaltung die gesamte Auflage aufgekauft haben könnte, um die Berichterstattung zu unterdrücken.

Vorwürfe gegen Stadtrat: Zeitung berichtet über Vergewaltigung

Die betroffene Zeitung, eine Lokalausgabe der Regionalpresse, hatte in ihrer jüngsten Ausgabe detailliert über mehrere Vergewaltigungsvorwürfe gegen einen namentlich genannten Stadtrat berichtet. Der Politiker, der dem Stadtrat von Annecy angehört, soll die Taten über einen längeren Zeitraum begangen haben. Die Redaktion hatte die Vorwürfe nach eigenen Angaben gründlich recherchiert und mit den Betroffenen gesprochen.

Laut einem Bericht des französischen Nachrichtenportals „France Info“ vom 24. Juli 2026 sei die Zeitung am Morgen des Erscheinungstages in den üblichen Verkaufsstellen ausgeliefert worden. Doch bereits am frühen Nachmittag sei sie in fast allen Kiosken und Supermärkten der Stadt nicht mehr erhältlich gewesen. Ein Händler berichtete, dass „einige Leute in Zivil mehrere Exemplare auf einmal kauften“.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Verdacht auf Aufkauf durch die Stadtverwaltung

Die örtliche Oppositionspolitikerin Marie Dupont äußerte gegenüber France Info den Verdacht, dass die Stadtverwaltung selbst hinter dem Aufkauf stecke. „Es ist mehr als auffällig, dass ausgerechnet diese Ausgabe so schnell verschwindet. Die Stadt hat ein Interesse daran, solche Vorwürfe zu vertuschen, um das Image von Annecy zu schützen“, sagte Dupont. Sie forderte eine Untersuchung durch die Staatsanwaltschaft.

Die Stadtverwaltung von Annecy wies die Vorwürfe umgehend zurück. In einer Stellungnahme hieß es: „Die Stadt hat keinerlei Exemplare der Zeitung aufgekauft. Wir respektieren die Pressefreiheit und haben keinen Einfluss auf die Berichterstattung.“ Die Zeitung selbst wollte sich zu den Vorfällen nicht äußern, verwies aber auf ihre Unabhängigkeit.

Journalistenorganisationen schlagen Alarm

Der Fall hat in Frankreich für Empörung gesorgt. Die Journalistengewerkschaft Syndicat national des journalistes (SNJ) sprach von einem „gefährlichen Angriff auf die Pressefreiheit“. „Wenn eine Stadtverwaltung tatsächlich eine Zeitung aufkauft, um unangenehme Berichte zu unterdrücken, ist das ein Skandal“, sagte SNJ-Sprecher Jean-Luc Martin. Er forderte die Staatsanwaltschaft auf, die Vorwürfe zu prüfen.

Bislang ist unklar, ob tatsächlich die Stadt hinter dem Aufkauf steckt. Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen. Es wird geprüft, ob möglicherweise ein Dritter die Zeitung aufgekauft hat, um den Stadtrat zu schützen. Die Staatsanwaltschaft Annecy bestätigte, dass man „Hinweisen auf eine mögliche Straftat nachgehe“.

Hintergrund: Image der Stadt Annecy

Annecy, auch als „Venedig der Alpen“ bekannt, ist eine beliebte Touristenstadt mit rund 130.000 Einwohnern. Die Stadt legt großen Wert auf ihr sauberes und idyllisches Image. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Berichte über Machtmissbrauch und sexuelle Übergriffe in der Region, die jedoch meist unter Verschluss blieben.

Der beschuldigte Stadtrat, dessen Name aus rechtlichen Gründen nicht genannt wird, bestreitet die Vorwürfe. Sein Anwalt kündigte an, rechtliche Schritte gegen die Zeitung einzuleiten. Die betroffenen Frauen haben nach Angaben ihres Anwalts Anzeige erstattet.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration