Berliner Flüchtlingsheim: Gerücht über Bevorzugung hält sich hartnäckig
Flüchtlingsheim Berlin: Gerücht über Bevorzugung hält sich

In Berlin-Lichtenberg sorgt ein Gerücht für Unruhe: Anwohner behaupten, dass Geflüchtete in der Gemeinschaftsunterkunft Alt-Hohenschönhausen bevorzugt behandelt würden. Die Morgenpost hat sich vor Ort umgehört und mit Bewohnern und Nachbarn gesprochen.

Das Gerücht und sein Ursprung

Seit Monaten kursiert in dem Kiez die Behauptung, die Bewohner der Unterkunft erhielten kostenlose Lebensmittel, höhere Sozialleistungen und bessere medizinische Versorgung als die einheimische Bevölkerung. Ein Anwohner, der anonym bleiben möchte, sagt: „Es heißt, die kriegen alles hinterhergeworfen, während wir uns jeden Cent dreimal umdrehen müssen.“ Die Sozialarbeiterin der Einrichtung, Maria Schmidt, widerspricht entschieden: „Das ist schlichtweg falsch. Die Bewohner erhalten die gleichen Leistungen wie jeder andere Sozialleistungsempfänger.“

Ein Besuch in der Unterkunft

Die Gemeinschaftsunterkunft Alt-Hohenschönhausen beherbergt rund 300 Geflüchtete aus verschiedenen Ländern, darunter Syrien, Afghanistan und Libyen. Einer von ihnen ist Nabil Salim, der seit zehn Jahren hier lebt. Der 45-Jährige wurde in Libyen angeschossen und sitzt seitdem im Rollstuhl. „Ich bin froh, hier in Sicherheit zu sein“, sagt er. „Aber das Gerücht, dass wir bevorzugt werden, macht das Leben schwer. Viele Nachbarn schauen uns schief an.“

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Die Realität hinter den Vorurteilen

Laut Schmidt erhalten die Bewohner der Unterkunft lediglich das gesetzlich vorgeschriebene Asylbewerberleistungsgesetz, das rund 350 Euro pro Monat für einen Alleinstehenden vorsieht. Dazu kommen Sachleistungen wie Unterkunft und Verpflegung. „Das ist kein Luxus, sondern das absolute Minimum“, betont Schmidt. „Viele Bewohner haben traumatische Erlebnisse hinter sich und brauchen Unterstützung, nicht Neid.“

Integration und Nachbarschaft

Trotz der Spannungen gibt es auch positive Beispiele. Einige Nachbarn engagieren sich ehrenamtlich in der Unterkunft, etwa bei der Hausaufgabenhilfe oder beim Sprachkurs. „Die meisten Geflüchteten wollen einfach nur ein normales Leben führen“, sagt eine Freiwillige. „Sie sind dankbar für jede Hilfe.“ Die Unterkunft bietet zudem regelmäßige Treffen mit Anwohnern an, um Vorurteile abzubauen. „Wir laden die Nachbarn ein, sich selbst ein Bild zu machen“, so Schmidt. „Nur so können Gerüchte entkräftet werden.“

Fazit

Das Gerücht über eine Bevorzugung von Geflüchteten in Berlin-Lichtenberg hält sich hartnäckig, entbehrt aber jeder Grundlage. Die Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft erhalten keine Sonderbehandlung, sondern lediglich die gesetzlich vorgeschriebenen Leistungen. Vorurteile und Missverständnisse erschweren jedoch die Integration. Ein offener Dialog zwischen Geflüchteten und Anwohnern könnte helfen, die Situation zu verbessern.

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