Papst Leo XIV. besucht Lampedusa und gedenkt Bootsflüchtlingen
Papst Leo XIV. auf Lampedusa: Gedenken an Bootsflüchtlinge

Papst Leo XIV. hat am Samstag die italienische Mittelmeerinsel Lampedusa besucht, um der Tausenden Bootsflüchtlinge zu gedenken, die bei der Überfahrt nach Europa ums Leben gekommen sind. Der Pontifex legte auf dem Friedhof der Insel Blumen an den Gräbern verstorbener Migranten nieder und verharrte im stillen Gebet. Mit diesem Besuch tritt er in die Fußstapfen seines Vorgängers Franziskus, der die Notlage von Flüchtlingen zu einem Schwerpunkt seines Pontifikats gemacht hatte. Franziskus war 2013 als erster Papst nach Lampedusa gereist und hatte dort eine „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ angeprangert.

Gedenktafel und Umbenennung des Piers

Leo XIV. segnete während seines Aufenthalts eine Gedenktafel für Franziskus, nach dem nun der Ankunftsort von Migranten in Lampedusa benannt wird. Der bisher als Molo Favaloro bekannte Pier heißt künftig Molo Papa Francesco. Die Tafel trägt die Aufschrift: „Molo Papa Francesco – ein Ort der Ankunft, der Hoffnung und der Menschlichkeit“. Der rund 150 Meter lange Landungssteg ist einer der symbolträchtigsten Orte für Migranten im zentralen Mittelmeer. Hier gehen seit Jahren Menschen an Land, die die gefährliche Überfahrt überlebt haben, entweder aus eigener Kraft oder mit Hilfe von Rettungsschiffen. Der Papst begrüßte anschließend Migranten, die extra aus dem Aufnahmelager der Insel, dem sogenannten Hotspot, zum Pier gekommen waren.

Appell für eine EU-Gesamtstrategie

In seiner Ansprache forderte Leo XIV. eine langfristige EU-Strategie für Migration. „Diejenigen, die in diesem Meer ihr Leben verloren haben, sind sowohl Opfer von Entscheidungen, die getroffen wurden, als auch von Entscheidungen, die nicht getroffen wurden“, sagte er mit Blick auf die bisherige europäische Flüchtlingspolitik. Der Papst betonte, dass Schutz und Integration Vorrang haben müssten und die Ursachen von Flucht entschlossener bekämpft werden sollten. Aufgrund seiner geografischen Lage und institutionellen Struktur sei Europa in der Lage, die Krise ganzheitlich anzugehen. Er forderte, die Soforthilfe in einen langfristigen strategischen Plan einzubinden, „der Migranten aufnimmt, schützt, fördert und integriert und gleichzeitig auf Entwicklung hinarbeitet, damit niemand zur Auswanderung gezwungen wird“. Dies müsse unter Wahrung der Würde jedes Einzelnen geschehen.

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Lampedusa als Brennpunkt der Migration

Die Insel Lampedusa gilt als „Ground Zero“ der europäischen Migration. Sie ist der wichtigste Einreiseort für Migranten, die mit Booten aus Libyen oder Tunesien kommen. Auf dem nur neun Kilometer langen Eiland spielten sich immer wieder Dramen ab, bei denen Hunderte Menschen, darunter viele Kinder, ums Leben kamen. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) geht von mehr als 35.000 vermissten Migranten im Mittelmeer seit 2014 aus. Die tatsächliche Zahl der Todesopfer liegt vermutlich deutlich höher, da viele Schiffbrüche nie erfasst werden. Leo XIV. durchschritt auch die Porta d’Europa, ein Denkmal in Form eines großen Tores am südlichsten Punkt der Insel, das an die Opfer der Flüchtlingskrise erinnert.

Kritik an Abschiebungen und frühere Besuche

Bereits im vergangenen Monat hatte der Papst einen Migrations-Hotspot auf den spanischen Kanarischen Inseln besucht. Dort prangerte er eine Politik an, die Migranten gleichgültig abweise, und warnte vor Menschenschmugglern, die Gottes Zorn auf sich zögen. Leo XIV. hat wiederholt die Bedeutung der Wahrung der Würde von Migranten betont, insbesondere angesichts des Massenabschiebungsprogramms der Trump-Regierung in seiner Heimatstadt Chicago. Er richtet sich aber auch an die christlichen Führer Europas. Die Verantwortung für eine humane Migrationspolitik sieht der Papst nicht allein bei öffentlichen Institutionen, sondern auch bei der Zivilgesellschaft und der Kirche.

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