Rund vier Monate nach seiner Tötung durch einen israelischen Luftangriff wird Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei beerdigt. Sein Leichnam wird in einer Prozession durch die Millionenmetropole Teheran geführt, bevor er in seiner Heimatstadt Maschhad beigesetzt wird. Der Trauerzug begann im Osten der Hauptstadt und führt über die zentrale Hauptverkehrsachse bis zum Asadi-Turm im Westen, wie die Regierung mitteilte.
Luftraum über Teheran gesperrt – Sicherheitsvorkehrungen verschärft
Aus Sicherheitsgründen sperrte der Iran für Montag den Luftraum über Teheran. Auch für Dienstag und bis zur Beerdigung am Donnerstag wurden zeitweise und örtlich begrenzte Einschränkungen beim Flugverkehr verkündet. Chamenei war am 28. Februar durch einen israelischen Luftangriff auf seinen Amtssitz getötet worden. Anschließend führten die USA und Israel mehr als fünf Wochen Krieg gegen den Iran, bis sich Vertreter aus Washington und Teheran Anfang April auf eine Waffenruhe einigten.
Staatstrauer als Demonstration politischer Geschlossenheit
Für Chameneis Anhänger und die iranische Führung ist die Staatstrauer zugleich Abschied und Demonstration politischer Geschlossenheit. Für die Staatsspitze bietet die Großveranstaltung die Gelegenheit, Einheit und Handlungsfähigkeit zu demonstrieren. Seit Wochen betont die Regierung, den Krieg gegen die militärisch überlegenen USA und Israel überstanden zu haben.
Spekulationen um Chameneis Sohn Modschtaba
Chameneis Sohn Modschtaba wurde eine Woche nach dem Tod seines Vaters Anfang März zum neuen Staatsoberhaupt ernannt, trat seitdem jedoch nicht öffentlich auf. Das löste Spekulationen über seinen Gesundheitszustand aus. Von schweren Verletzungen ist die Rede. Das Staatsfernsehen bezeichnete ihn als „Kriegsversehrten“, nannte aber keine weiteren Details. Auch für die Beerdigung in Maschhad ist unklar, ob er erscheinen wird. Iranischen Medien zufolge ist nicht vorgesehen, dass der 56-Jährige ein Gebet leitet.
Totengebete von hochbetagten Ajatollahs – Reformisten bleiben fern
In Ghom soll der einflussreiche Ajatollah Makarem Schirasi (99) das Totengebet leiten, in Maschhad Nuri Hamedani (101). In Teheran trat der 97-jährige Großajatollah Dschafar Sobhani als Vorbeter auf. Während hochrangige Vertreter aus Regierung und Militär an den Trauerfeiern teilnahmen, kritisierten einige Politiker die Abwesenheit prominenter Persönlichkeiten. Der ehemalige Vizepräsident Mohammed Ali Abtahi beklagte auf X, dass frühere Präsidenten nicht eingeladen worden seien. „Eine solche Anwesenheit hätte (...) ein Bild der inneren Geschlossenheit und des nationalen Zusammenhalts vor den Augen der Weltöffentlichkeit vermitteln können“, schrieb er.
Vor allem führende Politiker aus dem Lager der Reformisten waren nicht bei den Trauerfeiern zu sehen, darunter die ehemaligen Präsidenten Hassan Ruhani und Mohammed Chatami sowie der frühere Außenminister Mohammed-Dschawad Sarif. Auch Ex-Präsident Mahmud Ahmadinedschad war abwesend.



