Die Natur in Sachsen verliert zunehmend ihre Schutzfunktion gegen Wetterextreme. Das geht aus dem neuen Grün-Feucht-Kühl-Index des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) und des Berliner Econics Instituts hervor. Demnach können Wälder, Moore, Auen und Grünflächen im Freistaat Hitze, Dürre und Hochwasser immer schlechter abfedern. Die Landschaftsampel stehe auf dunkelrot, teilte der NABU mit.
Nur wenige Gebiete mit gutem Potenzial
„In Sachsen zeigt sich, wie die Veränderungen der Landschaft infolge intensiver Bewirtschaftung, Versiegelung und Zerschneidung die natürliche Infrastruktur beeinträchtigt“, erklärte der NABU. Nur wenige Gebiete wie die Dübener Heide, die Dresdener Heide, die Moritzburger Teichlandschaft oder das Erzgebirge wiesen ein gutes oder sehr gutes Potenzial auf. Diese Regionen verfügten über eine stabile und gut vernetzte natürliche Infrastruktur. „Diese Regionen stechen jedoch inselartig hervor. Auffällig ist, dass es kaum funktionierende Verbundsysteme gibt“, hieß es weiter. Die großen Flusslandschaften Sachsens seien kaum zu erkennen, obwohl deren Auen in jedem Biotopverbund eine herausragende Rolle spielen. Selbst die europarechtlich geschützten FFH-Gebiete (Flora-Fauna-Habitat) zeigten durchweg eine kritische Schädigung oder höchstens mäßiges Leistungspotenzial.
NABU-Präsident: Natur ist keine Kulisse
NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger betonte: „Natur ist keine Kulisse, sondern unsere natürliche Infrastruktur. Intakte Wälder, Moore, Auen und Grünflächen speichern Wasser, kühlen ihre Umgebung und machen unsere Landschaften widerstandsfähiger gegen die Folgen der Klimakrise.“ Die Daten des Index bestätigten langjährige Beobachtungen der Naturschützer. Die sächsische NABU-Chefin Maria Vlaic erläuterte: „Jedes Frühjahr betreuen NABU-Aktive in ganz Sachsen Amphibienschutzzäune an Feuchtgebieten. Dabei zeigt sich: Die Zahl der Amphibien, die zu ihren Laichhabitaten wandern, nimmt kontinuierlich ab. An einigen Standorten werden inzwischen keine Schutzzäune mehr aufgebaut, weil kaum noch Tiere zu ihren Laichgebieten wandern.“
Renaturierung zeigt Wirkung
Gleichzeitig mache der Index deutlich, dass Renaturierung wirke. „Wo natürliche Prozesse zugelassen und geschädigte Ökosysteme wiederhergestellt werden, können Landschaften ihre Funktionen zurückgewinnen“, hieß es. Beispiele seien regenerative Landwirtschaft mit Zwischenfruchtfolgen, die Wiedervernässung von Mooren, die Renaturierung von Flüssen und Auen oder mehr Grün in den Städten. Der Index basiert unter anderem auf Satellitendaten und bewertet die Leistungsfähigkeit der Natur bei Kühlung, Wasserrückhalt und Klimaanpassung.



