Trump droht Kanada wegen Waldbränden mit Konsequenzen
Trump droht Kanada wegen Waldbränden

Mit dem giftigen Rauch kamen die Schuldzuweisungen. Donald Trump und mehrere republikanische Politiker haben Kanada wegen der dort außer Kontrolle geratenen Waldbrände schwere Vorwürfe gemacht. Der US-Präsident drohte dem nördlichen Nachbarn mit finanziellen Konsequenzen. Funktionäre seiner Partei wiederholten Trumps Idee, Kanada zum 51. Bundesstaat der USA zu machen. Seit Trumps Amtsantritt ist das Verhältnis zwischen den beiden Nachbarstaaten sehr angespannt.

Trump: Kanada für schmutzige Luft verantwortlich

„Wir machen Kanada dafür verantwortlich, dass es seine Wälder nicht ordnungsgemäß pflegt und dass die Vereinigten Staaten unnötigerweise von schmutziger, verschmutzter und gesundheitsschädlicher Luft heimgesucht werden“, schrieb Trump in der Nacht zu Sonnabend in einem Beitrag auf seinem Netzwerk Truth Social. Die den USA entstehenden Kosten müssten „zwangsläufig“ den bestehenden Zöllen auf kanadische Importe hinzugerechnet werden. Parteifreunde von Trump erneuerten am Freitag dessen Forderung, Kanada zum 51. Bundesstaat der USA zu machen, um aktuelle Herausforderungen wie jetzt die Waldbrände besser handhaben zu können. Vier US-Abgeordnete aus dem Mittleren Westen erklärten in einem Brief an kanadische Regierungsvertreter, ihre „Geduld sei am Ende“.

Kanadische Regierung unter Beschuss

Sie warfen der vom Liberalen Mark Carney geführten kanadischen Regierung nach den verheerenden Feuern der vergangenen Jahre Untätigkeit vor. Probleme wie „chronische Unterinvestitionen in Waldausdünnung, Brennstoffreduzierung und kontrollierte Brände sowie unzureichende Strafverfolgung bei Brandstiftung“ seien „nicht ausreichend“ angegangen worden. Für Millionen von US-Amerikanern hatte es in großen Städten wie Chicago, Minneapolis und New York City in den vergangenen Tagen Luftqualitätswarnungen gegeben. Inzwischen hat der Wind die Rauchwolken aus dem Norden jedoch an vielen Stellen bereits weitergetrieben. Toronto hatte am Mittwoch die schlechteste Luftqualität aller Großstädte weltweit.

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Fast 1000 Brände in Kanada

In Kanadas Wäldern wüten derzeit nach offiziellen Angaben fast 1000 Brände – die meisten davon außer Kontrolle. Durch die anhaltenden Waldbrände in Kanada sind im laufenden Jahr bisher offiziellen Schätzungen zufolge rund drei Millionen Hektar Wald zerstört worden. Das entspricht ungefähr der Gesamtfläche des Bundeslandes Brandenburg. Auch in den vergangenen Jahren hatten vor allem in den Sommermonaten verheerende Brände umfangreiche Waldflächen in Kanada vernichtet. Waldbrände sind in Kanada zwar weit verbreitet, doch ihre Zahl und ihr Umfang haben in jüngster Zeit stark zugenommen. Fachleute führen das unter anderem auf das anhaltend heiße Wetter Ende Juni, vor allem im Norden Ontarios, sowie auf unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen zurück.

Experten sehen Klimawandel als Hauptursache

Inwieweit liegt eine Mitschuld daran, dass diese Feuer sich weitgehend unkontrolliert ausbreiten konnten, tatsächlich bei der Regierung in Ottawa? Vom Tagesspiegel befragte Fachleute sehen durchaus eine politische Verantwortung für die aktuelle Lage – wenngleich in einem größeren Kontext als Trump und seine Parteifreunde. „Es ist unbestreitbar, dass die zunehmende Häufigkeit und Intensität von Waldbränden in Kanada zum Teil auf den Klimawandel zurückzuführen ist“, sagt die kanadische Wissenschaftlerin Jessica F. Green dem Tagesspiegel. Sie ist Professorin für Politikwissenschaft an der Universität Toronto, globale Klimapolitik ist einer ihrer Forschungsschwerpunkte. Der Klimawandel gilt als Hauptursache für heißere und trockenere Bedingungen, unter denen sich Brände leichter ausbreiten können.

Versäumnisse beim Klimaschutz

„Kanada hat seine Emissionsminderungsziele immer wieder verfehlt“, konstatiert Green. „Diese Versäumnisse verschärfen den Klimawandel und tragen zur Verschlimmerung der Brände bei.“ Als „das größte Versagen der kanadischen Klimapolitik“ sieht Green das beharrliche Festhalten am Ausbau der Öl- und Gasförderung: „Fossile Brennstoffe sind die Ursache des Klimawandels und werden in einer dekarbonisierten Wirtschaft keinen Platz mehr haben.“ Die umfangreichen, jahrzehntelangen Investitionen in die Infrastruktur für fossile Brennstoffe seien zudem nicht nur schlecht für das Klima, sondern auch für die kanadische Wirtschaft.

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Waldmanagement als verschärfender Faktor

Neuere Studien zu den Waldbränden in den borealen Wäldern im Norden Russlands und Kanadas haben gezeigt, „dass der Anstieg von Frequenz und Intensität der Feuer deutlich vom fortschreitenden Klimawandel angetrieben wird“, sagt auch Pierre Ibisch, Professor für Naturschutz an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde. „Das Waldmanagement spielt offenkundig eine verschärfende Rolle, wobei das Unterdrücken von natürlichen Feuern in der Nähe von Siedlungen bedeutsam ist, welches zur Vermehrung der potenziellen Brandlast führt.“ Ibisch sieht die auch in Kanada vorherrschende Art der Waldbewirtschaftung als großes Problem. Die sei stark von Kahlschlägen und Fragmentierung geprägt, also einem großflächigen Abbau natürlicher Wälder und dem Bau von Zufahrtsstraßen in zuvor unberührte Wälder. Durch extremere Landschaftstemperaturen und durch veränderte Baumartenzusammensetzung führe dies zu einer größeren Brand-Anfälligkeit.

Präventionsstrategien gefordert

Zwar könnten Maßnahmen wie die jetzt von den US-Abgeordneten von Kanada geforderten – zum Beispiel das kontrollierte Brennen und die Reduktion der Brandlast in Hochrisikowaldgebieten – „vor allem in besiedelten Gebieten eine sehr wichtige Strategie sein“. Viel wichtiger sei es aber, den sich schnell verschärfenden Klimawandel zu beachten: „Zum einen führt der dazu, dass das Potenzial des Risikomanagements abnimmt. Zum anderen müssen dringend auch die Holzernte und Bewirtschaftungspraktiken überdacht werden.“ „Die Zunahme von Bränden in den USA und Kanada zeigt, dass die Regierungen in die Widerstandsfähigkeit investieren müssen“, sagt die Kanadierin Green. Das umfasse neben dem Klimaschutz auch konkrete lokale Maßnahmen wie Brandbekämpfungskapazitäten, Notfallmaßnahmen und andere Vorkehrungen, „um betroffene Gemeinden zu schützen und umzusiedeln, wenn solche Krisen unvermeidlich eintreten.“

Leben mit mehr Feuer

Generell wird die Menschheit „in vielen Teilen der Erde lernen müssen, mit mehr Feuer zu leben“, sagt Pierre Ibisch. „In der Klimakrise gehören immer mehr und größere Brände leider zur Realität – und davon sind nicht nur Wälder betroffen.“ Eine Studie für den Rat der europäischen Akademien der Wissenschaften, an der Ibisch mitgewirkt hat, rate davon ab, immer intensiver in die Brandbekämpfung zu investieren: „Vielmehr geht es vorrangig auch um kluge Präventionsstrategien, die allerdings von Ökosystem zu Ökosystem unterschiedlich ausfallen müssen.“ Die Realität des Klimawandels zu leugnen, wie es in den USA leider verbreitet ist, und auf vermeintlich simple Lösungen zu setzen, mache die Gefahr nur größer, sagt der Naturschutz-Professor aus Eberswalde: „Wir brauchen weltweit effektiveren Klimaschutz und überall eine Landnutzung, die Temperaturen möglichst senkt sowie Wasser in Vegetation und Landschaft hält.“