Die französische Halbinsel Cap Ferret an der Atlantikküste ist ein beliebtes Urlaubs- und Surferparadies. Doch seit Tagen wüten dort schwere Waldbrände, die Zehntausende in die Flucht treiben. Die Berlinerin Ashley M. erlebt die Katastrophe hautnah – sie schläft in ihrem Auto und wartet auf eine Gelegenheit zur Flucht.
Flucht vor den Flammen: Urlauberin im Militärkonvoi
Ashley M. ist zum Surfen auf die Halbinsel gereist. Am Donnerstagvormittag war sie noch auf Cap Ferret, ganz an der Südspitze. „Da war das Großfeuer im Norden der Bucht von Arcachon schon ausgebrochen. Das war zwar noch weit weg. Aber ich dachte dann: Von hier gibt es nur eine Personenfähre nach Arcachon und eine einzige Straße, um die Halbinsel zu verlassen.“ Das sei ihr nicht geheuer gewesen, also fuhr sie los – am Feuer vorbei und südlich nach Biscarrosse-Plage, einem Surferort.
Dort herrschte zunächst Ruhe, sie ging surfen. „Als ich zurückkam, waren plötzlich große schwarze Rauchwolken über einem Waldstück hinter dem nahegelegenen Biccarosse zu sehen. Immer größer, immer schwärzer kam sie auf einen zu. Das war ein neues Feuer.“ Alle Ausfahrtsstraßen waren bereits gesperrt. Sie schlief im Auto an der Strandpromenade, wo kaum Vegetation ist. „Als ich morgens aufgewacht bin, war die ganze Promenade voll mit Autos, in denen Menschen schliefen. In jedem dritten Auto saß eine Katze, die die Leute bei ihrer Flucht mitgenommen hatten.“
Versorgungsengpässe und dramatische Szenen
Die Luft ist voller Asche: „Seit heute Morgen fliegt sie überall, deutlich sichtbar, in der Luft herum. Die Luft ist trübe und dir brennen die Augen.“ Die Tankstelle im Ort ist geschlossen – die einzige. Ashley M. hat noch einen Vierteltank Benzin. „Wenn dein Tank leer ist, kommst du hier nicht mehr weg.“ Vor der Apotheke, dem Bäcker und dem Supermarkt bildeten sich lange Schlangen. Die Inhaberin eines Tabakladens berichtete: „Ich habe um sieben geöffnet, da standen schon 80 Menschen vor der Tür. Jetzt backen wir seit sieben Uhr durchgehend Croissants und verkaufen – hier ist die Hölle los.“
Am Freitagmorgen wurde Ashley M. in einen Militärkonvoi aufgenommen, der durch die gesperrte Zone nach Mimizan fuhr. „Ein Soldat kam zu jedem Auto und erklärte, dass sie alle dreiviertel Stunde einen Konvoi, mit Militärfahrzeug an der Spitze und am Ende, durch das Gelände lotsen.“
Stimmung zwischen Gelassenheit und Drama
Die Stimmung unter den Evakuierten ist gemischt. Einige Franzosen wirkten gelassen und verwiesen auf die Erfahrungen mit den Feuern von 2022: Sie seien diesmal besser vorbereitet und hätten bereits eine Tasche gepackt. „Wenn ich an einer Menschengruppe vorbeigehe, höre ich aber auch immer wieder von Dramen: Jemand erzählte, dass die Katze so hysterisch gewesen sei, dass man sie nicht einfangen konnte und zurücklassen musste. Andere fragten gerade bei Freunden an, ob sie zu fünft zum Übernachten kommen können. Und einmal hörte ich, wie jemand erzählte, sein Haus sei abgebrannt.“
Insgesamt sind 35.000 Menschen vor den Bränden auf Cap Ferret geflohen. 800 Feuerwehrleute sind im Einsatz. Präsident Macron hat am Freitag Hilfe von EU-Staaten angefordert.



