Seit sechs Tagen wüten in Spanien verheerende Waldbrände, die insbesondere die Zentralregion westlich von Madrid heimsuchen. José de la Uz, Bürgermeister von Las Rozas, spricht gegenüber der Presse von der schwersten Katastrophe in der Geschichte der Region. „Es ist der größte Brand und die schwerste Katastrophe, die unsere Region je erlebt hat“, sagt er. Die Bilanz ist erschütternd: 70.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen, 25.000 Gebäude und 130.000 Hektar Land wurden ein Raub der Flammen.
Notunterkunft im Sportzentrum „La Marazuela“
Der Bürgermeister empfängt die Reporter im erst vor einem Jahr eröffneten Sport- und Kulturzentrum „La Marazuela“. Normalerweise finden hier Handballspiele, Konzerte und Tanzaufführungen statt, doch jetzt stehen hunderte Feldbetten in der Halle. Es ist eine von 14 Notunterkünften in der Region. „Wir haben diesen Ort ausgewählt, weil wir hier ausreichend Platz haben, sowohl für die Menschen als auch für die Tiere“, erklärt de la Uz. Bislang fanden hier 290 Menschen und 52 Tiere Unterschlupf.
Psychologische Betreuung und Versorgung der Evakuierten
Vor Ort arbeiten Lokalpolizei und Rettungsdienst eng zusammen, um die Evakuierten zu betreuen und medizinisch zu untersuchen. „Den Betroffenen stehen Psychologinnen des Katastrophenschutzes von Las Rozas und Fachkräfte des städtischen Amtes für Familie und Soziales zur Verfügung“, sagt der Bürgermeister. Zudem wurde ein Café-Theater als Tageszentrum eingerichtet, in dem die Menschen Zeitung lesen oder fernsehen können. „Unser Ziel ist es, die Situation für die Betroffenen so erträglich wie möglich zu machen, auch wenn sie natürlich schwierig bleibt“, ergänzt de la Uz.
Tierrettung und besondere Herausforderungen
Acht hochbetagte Menschen wurden in ein Pflegeheim gebracht. Das städtische Tierheim hat bereits mehr als 52 Haustiere aufgenommen, außerdem konnten 20 Pferde aus den Flammen gerettet werden. Die Brände aus der Provinz Ávila und der Region Madrid haben sich vereinigt, was die Löschmaßnahmen zusätzlich erschwert. Hinzu kommen starke Windböen von 50 bis 60 km/h, die die Feuer immer wieder anfachen.
Erste Hoffnung durch sinkende Temperaturen
Trotz der verheerenden Lage gibt es einen ersten Hoffnungsschimmer. Die Temperaturen sind leicht gesunken, und es nieselt. „Jetzt bleibt abzuwarten, ob das ausreicht“, meint de la Uz mit verhaltener Zuversicht. Die Feuerwehr und Einsatzkräfte arbeiten unermüdlich daran, die Brände unter Kontrolle zu bringen. Die betroffenen Gemeinden hoffen auf eine baldige Eindämmung der Feuersbrunst, die bereits als eine der schlimmsten Naturkatastrophen in der Geschichte Spaniens gilt.



