Der schwere Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo könnte nach Einschätzung eines Experten bis ins kommende Jahr andauern. Angesichts der hohen Zahl an Infizierten rechnet der Amsterdamer Tropenmediziner Martin Grobusch mit einer langen Dauer des Ausbruchs. Bislang wurden 1.926 Fälle im Labor bestätigt. Einer dieser Fälle wird derzeit in Frankfurt am Main behandelt: Ein US-Arzt wurde dorthin ausgeflogen.
Positive Entwicklungen bei der Kontaktverfolgung
Gleichzeitig sieht Grobusch, der das Zentrum für Tropen- und Reisemedizin an der University of Amsterdam leitet, auch positive Entwicklungen. „Die konkrete Zahl der identifizierten Kontaktpersonen, die ein Risiko haben, sich beim Kontakt angesteckt zu haben, wird immer klarer und wird derzeit schon mit geschätzten rund 90 Prozent angegeben“, sagte er. Er betonte: „Beinahe alle Kontakte zu finden, wird am Ende den Unterschied machen, um den Ausbruch unter Kontrolle zu bekommen.“ Seiner Ansicht nach ist nicht die Verfügbarkeit einer Impfung, sondern die Kontaktnachverfolgung sowie das Finden und Behandeln der Patienten der entscheidende Weg.
Herausforderungen beim aktuellen Ausbruch
Ebola ist eine lebensbedrohliche Krankheit, die durch Körperkontakt und Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen wird. Der aktuelle Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo ist besonders schwer einzudämmen, da es für den Ebola-Erreger vom Typ Bundibugyo bislang weder einen Impfstoff noch eine spezielle Therapie gibt. Allerdings wird an einer Impfung gearbeitet. Seit Anfang Juli laufen klinische Tests zweier antiviraler Therapieverfahren: des monoklonalen Antikörpers MBP134 und des antiviralen Medikaments Remdesivir. Mit einer Kombination dieser Wirkstoffe wurde bereits der US-Arzt behandelt, der im Mai und Juni in der Berliner Charité lag. Er erholte sich und konnte das Krankenhaus verlassen.
Skepsis und Angriffe auf Behandlungszentren
Die afrikanische Gesundheitsbehörde Africa CDC hatte wiederholt auf Herausforderungen bei der Nachverfolgung von Kontakten hingewiesen. Obwohl Gesundheitsmitarbeiter und Freiwillige etwa des Roten Kreuzes seit Bekanntgabe des Ausbruchs Mitte Mai Aufklärungsarbeit leisten, gibt es in der betroffenen Region im Nordosten des Kongo viel Skepsis im Umgang mit der Krankheit. Mehrfach wurden Behandlungszentren angegriffen, um die Herausgabe verstorbener Patienten zu erzwingen. Die Leichen gelten als hochansteckend und müssen unter speziellen Sicherheitsbedingungen beigesetzt werden. Zudem setzten sich mutmaßlich Infizierte wiederholt ab, um eine Isolierung zu vermeiden.
Nach den jüngsten Zahlen der kongolesischen Regierung sind 702 Menschen an dem Virus gestorben, 318 gelten als genesen.



