Zum ersten Mal in der Geschichte des libanesischen Fernsehens hat ein israelischer Journalist ein Interview gegeben. Der Auftritt von Barak Ravid beim Sender LBCI sorgt für großes Aufsehen, da im Libanon seit Jahrzehnten jeglicher Kontakt mit Bürgern des jüdischen Staates unter Strafe steht. Das Boykottgesetz von 1955 verbietet jede direkte oder indirekte Interaktion mit israelischen Entitäten oder Bürgern.
Interview mit Barak Ravid
Der Journalist und Nahostexperte Barak Ravid sprach mit LBCI-Moderator Toni Mrad über die anhaltenden Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah sowie über die Bemühungen um eine dauerhafte Waffenruhe. Auf die Frage nach den aktuellen Verhandlungen erklärte Ravid, dass die Gespräche noch im Gange seien. Die Ablehnung des jüngsten Waffenruhevorschlags durch die Hisbollah bezeichnete er als taktischen Schachzug, um die eigene Verhandlungsposition in den von den USA vermittelten Gesprächen zu stärken.
Reaktionen auf das Interview
In einem Beitrag auf der Onlineplattform X schrieb Ravid, das Interview zeige Veränderungen im Land aufgrund einer „geschwächten iranischen Achse“. Der 46-Jährige ist als Korrespondent für das US-Nachrichtenportal Axios tätig und arbeitet zudem als politischer Kommentator für CNN, das israelische Nachrichtenportal Walla und den Fernsehsender Channel 12 News. Seine Schwerpunktthemen sind die amerikanisch-israelischen Beziehungen sowie die Diplomatie im Nahen Osten.
Hintergrund: Das Boykottgesetz von 1955
Das Boykottgesetz im Libanon vom 23. Juni 1955 verbietet jegliche direkte oder indirekte Interaktion von libanesischen Staatsbürgern oder Unternehmen mit israelischen Entitäten, Bürgern oder im Interesse Israels handelnden Personen. Da sich beide Staaten völkerrechtlich im Kriegszustand befinden, gilt ein solcher Kontakt der libanesischen Justiz zufolge als Kollaboration mit einem Feindstaat.
Waffenruhe und anhaltende Spannungen
Zwischen Israel und dem Libanon herrscht seit Mitte April offiziell eine Waffenruhe. Dennoch hat Israels Militär am Wochenende erneut die Vororte der Hauptstadt Beirut angegriffen. Die Armee habe „Terroristen-Hauptquartiere“ als Reaktion auf den Beschuss Israels durch die Hisbollah angegriffen, teilten Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und Verteidigungsminister Israel Katz mit. Die iranischen Revolutionswächter hatten gewarnt, ein Angriff auf Beirut würde erneut einen umfassenden Krieg entfachen. Mehrere Angriffe auf israelische Truppen hatte unterdessen die Hisbollah für sich beansprucht.
Opferzahlen und Reaktionen
Bei einem israelischen Angriff auf ein Militärfahrzeug im Südlibanon sind nach Angaben der libanesischen Armee zwei Offiziere und ein Soldat getötet worden. Die Armee erklärte auf X, Israel greife anhaltend den Libanon und seine Bevölkerung an. Dies ziele darauf ab, alle Bemühungen um eine Lösung zu vereiteln, die eine Wiederherstellung der Stabilität, einen umfassenden Waffenstillstand und den Rückzug Israels aus den besetzten libanesischen Gebieten ermöglicht. Die libanesische Armee ist in dem Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz keine aktive Kriegspartei und verhält sich neutral. Im Libanon wurden nach offiziellen Angaben im jüngsten Krieg mehr als 3600 Menschen getötet und 11.000 weitere verletzt.



