Ungeachtet der zwischen Israel und dem Libanon erneuerten Waffenruhe geht der blutige Konflikt zwischen der libanesischen Hisbollah-Miliz und Israel weiter. Bei einem erneuten Angriff der proiranischen Miliz auf die im Süden des Libanons stationierten Truppen wurde ein israelischer Soldat getötet, wie die israelische Armee am Abend mitteilte. Die Hisbollah hatte kurz zuvor die in der Nacht zum Donnerstag in Washington zwischen dem Libanon und Israel vereinbarten Bedingungen für eine Waffenruhe abgelehnt.
Hisbollah lehnt Waffenruhe-Bedingungen ab
Die libanesische Regierung ist keine Konfliktpartei in dem Krieg und hat nur begrenzten Einfluss auf die Hisbollah. Die Miliz war an den Gesprächen nicht beteiligt. Hisbollah-Chef Naim Kassim lehnte die Vereinbarung zwischen der libanesischen Regierung und Israel ab. Er bezeichnete eine Auslegung der Waffenruhe, nach der die Hisbollah ihre Angriffe einstellen müsse, während die israelischen Angriffe andauerten, als „Kapitulation“. In einer im libanesischen Fernsehen verlesenen Erklärung hieß es: „Das angekündigte Abkommen ist ein Fahrplan zur Zerstörung eines Teils des libanesischen Volkes und zur Unterwerfung des übrigen Teils.“
Israelische Vergeltungsschläge
Nach dem erneuten Angriff der Hisbollah bombardierte die israelische Armee nach eigenen Angaben Infrastruktur der Schiiten-Miliz. In der Nacht gab die Hisbollah dann einen weiteren Raketenangriff auf die israelischen Truppen im Süden des Libanons bekannt. Unabhängig überprüfen ließen sich die Angaben nicht. Vom israelischen Militär gab es dazu zunächst keine Mitteilung. Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz erklärte unterdessen am Donnerstag laut der „Times of Israel“, das eigene Militär werde die Einsätze im nördlichen Nachbarland vorerst fortsetzen.
Trump äußert sich optimistisch
US-Präsident Donald Trump sagte indes zu Reportern im Weißen Haus, die Hisbollah habe mit ihm gesprochen und die Waffenruhe nicht zurückgewiesen. „Sie sagten, ‚wie wäre es, aufzuhören?‘“, erklärte Trump und schien anzudeuten, dass es nach seiner Einschätzung Fortschritte bei der Beendigung der Kämpfe geben wird. „Es wäre wirklich schön, wenn der Libanon etwas Frieden haben könnte“, sagte er.
Geplante Sicherheitszonen im Südlibanon
Vorgesehen ist der Vereinbarung zufolge unter anderem, dass die Miliz ihre Angriffe auf Israel einstellt und sich aus Gebieten südlich des Litani-Flusses – der zum Teil bis zu 30 Kilometer nördlich der israelischen Grenze liegt – zurückzieht. Im Südlibanon sollen sogenannte Sicherheitszonen eingerichtet werden, in denen ausschließlich die regulären libanesischen Streitkräfte die Kontrolle ausüben. Unklar ist aber, wie genau dies bewerkstelligt werden soll.
Der Konflikt im Libanon ist auch ein zentraler Streitpunkt in den stockenden Verhandlungen zur Beendigung des Krieges zwischen den USA und dem Iran. Teheran, das die Hisbollah bewaffnet und finanziert, betrachtet den Konflikt im Libanon als Verstoß gegen die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran.



