Erste Tanker drehen ab: Huthi-Drohung zeigt Wirkung
Die vom Iran unterstützten Huthis haben eine Blockade saudi-arabischer Häfen und Öl-Transporte angekündigt – und die Drohung zeigt bereits konkrete Auswirkungen. Zwei mit saudischem Rohöl beladene Tanker, die für China und Indien bestimmt waren, wendeten am Dienstag im Roten Meer und fuhren Richtung Suezkanal, statt Kurs auf die Meerenge Bab al-Mandab zu nehmen. Es waren die ersten bestätigten Routenänderungen seit der Warnung der Huthis am Montag. Die Reedereien wurden gewarnt, in saudischen Häfen weder zu laden noch zu löschen; Verstöße könnten überall innerhalb der militärischen Reichweite der Huthis geahndet werden.
US-Präsident Donald Trump blieb vage auf die Frage, was die USA unternehmen würden, falls die Huthis ihre Blockade durchsetzen. „So weit ist es noch nicht. Aber wenn es passiert, werden wir uns darum kümmern“, sagte er im Oval Office neben dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun. Eine physische Sperre der Meerenge ist bisher nicht belegt; das von der US-Marine geführte JMIC registrierte zuletzt keinen Angriff. Dennoch meiden erste Reeder die Passage.
Bab al-Mandab: Zweite Front im Energiekrieg
Die Straße von Hormus ist der wichtigste Öl-Engpass der Welt: Vor der Krise passierten täglich rund 20 Millionen Barrel Rohöl und Ölprodukte die Meerenge – etwa ein Fünftel des weltweiten Verbrauchs. Bab al-Mandab verbindet den Indischen Ozean mit dem Roten Meer und dem Suezkanal. Täglich fließen dort rund 4,2 Millionen Barrel (laut US-Energiebehörde EIA im ersten Halbjahr 2025). Seit Kriegsbeginn nutzt Saudi-Arabien verstärkt den Hafen Yanbu, um Öl über die Ost-West-Pipeline an Hormus vorbei zur Küste zu bringen. Im Durchschnitt wurden seit April über Yanbu mehr als 4,5 Millionen Barrel täglich verschifft, rund 70 Prozent gingen nach Asien.
Die Huthi-Drohung verteuert den Verkehr bereits jetzt: Die Prämie für eine siebentägige Kriegsrisikoversicherung stieg von etwa 0,3 auf 0,75 Prozent des Schiffswerts – bei einem Großtanker sind das mehrere hunderttausend Dollar zusätzlich. Analysten schätzen, dass mehr als drei Millionen Barrel saudischen Öls pro Tag auf längere Strecken gezwungen würden. Im Extremfall wären bis zu sieben Prozent des Weltangebots gefährdet.
Gefahr für Europa: Diesel und Flugtreibstoff besonders betroffen
Für Europa liegt die erste Gefahr weniger beim Benzin als bei Diesel und Flugtreibstoff, die häufig durch Bab al-Mandab und Suez kommen. Europas Diesel-Raffineriemargen lagen bereits vor einer möglichen Sperre auf Rekordniveau von mehr als 65 Dollar je Barrel. Öl-Futures, Frachtraten und Großhandelspreise reagieren binnen Stunden oder Tagen. Erste Aufschläge könnten Autofahrer nach wenigen Tagen bemerken, besonders beim Diesel. Nach Berechnungen der Europäischen Zentralbank werden rund 90 Prozent eines Ölpreisschocks innerhalb von drei bis fünf Wochen weitergegeben. Sollte Brent-Öl wegen einer Blockade von zuletzt rund 90 Dollar auf 115 bis 120 Dollar steigen, wäre die Wirkung deutlich.
Tanker müssten um das Kap der Guten Hoffnung fahren; für Indien und China könnten sich Lieferungen um etwa einen Monat verzögern. Voll beladene Supertanker können den Suezkanal nicht ohne Weiteres passieren, die Kapazität der Sumed-Pipeline ist begrenzt.
Militärische Herausforderung: Huthis schwer zu stoppen
Militärisch ließe sich dieser zweite Brandherd nicht mit Geleitzügen löschen. Washington bräuchte mehrere Luftabwehrzerstörer im südlichen Roten Meer und im Golf von Aden, Aufklärungsdrohnen, Seefernaufklärer, elektronische Kampfführung, Minenabwehr und Nachschub aus Dschibuti – ergänzt durch Angriffe auf mobile Raketen- und Drohnenstellungen in Jemen. Selbst dann könnte die US-Marine nur das Risiko senken. Den Huthis reichen wenige Treffer, damit Reeder und Versicherer den Seeweg meiden.
Wie zäh und teuer das wäre, haben die USA 2025 in der knapp zweimonatigen „Operation Rough Rider“ erfahren: Zwei Flugzeugträgerverbände griffen mehr als 1000 Ziele in Jemen an. Die Bombardierung kostete weit mehr als eine Milliarde Dollar; sieben MQ-9-Drohnen gingen verloren. Dennoch blieben die Huthis angriffsbereit. Das Zentralkommando hatte intern eine mindestens achtmonatige Kampagne empfohlen. Man kann Abschussrampen zerstören, aber die Fähigkeit der Miliz zur Störung des Seewegs nicht zuverlässig wegbomben.
Trumps Satz, man werde sich „darum kümmern“, klingt darum leichter, als die Aufgabe in Wirklichkeit ist. Um Hormus und Bab al-Mandab gleichzeitig offen zu halten, müssten die USA zwei weit auseinanderliegende Engpässe schützen. Iran und seine Verbündeten müssen nur genug Unsicherheit erzeugen, damit Reeder fernbleiben. Aus dem regionalen Krieg würde eine globale Versorgungskrise. Die ersten Tanker zeigen, dass dafür nicht einmal eine formelle Blockade nötig ist.



