Ukraine-Ticker: Kiews Gegenangriffe – Brände und Tote in Russland
Kiews Gegenangriffe: Brände und Tote in Russland

In der Nacht auf Dienstag haben ukrainische Streitkräfte erneut Ziele im Westen Russlands angegriffen. Die russische Luftabwehr teilte mit, insgesamt 144 Drohnen über dem Territorium Russlands abgeschossen zu haben. Die meisten von ihnen seien über der Region Moskau registriert worden, wie das Verteidigungsministerium in Moskau berichtete. Die Angriffe richteten sich offenbar gegen militärische Infrastruktur und Treibstofflager im Hinterland.

Zwei Tote bei Drohnenangriff auf Wohngebäude

Bei den Angriffen sind nach Angaben der Regionalverwaltung mindestens zwei Menschen im Großraum Moskau getötet worden. Dutzende weitere wurden verletzt. In der Stadt Ramenskoje, etwa 40 Kilometer südöstlich von Moskau, schlugen Trümmer einer abgefangenen Drohne in ein Hochhaus ein. Das Gebäude geriet in Brand, mehrere Wohnungen wurden zerstört. Einsatzkräfte konnten das Feuer bis zum Morgen löschen, teilte der Gouverneur der Region Moskau, Andrei Worobjow, mit. Laut Worobjow waren in mehreren Städten der Region Gebäude beschädigt worden. Die Behörden richteten Notunterkünfte für obdachlos gewordene Anwohner ein.

Brände in Rjasan und Brjansk

Auch in der Region Rjasan brannte ein Kraftstofflager. Das Feuer erzeugte eine dunkle Rauchsäule, die über der Stadt sichtbar war. Die örtliche Feuerwehr war stundenlang mit den Löscharbeiten beschäftigt. Über der Grenzregion Brjansk wurden ebenfalls Drohnen abgefangen. Der dortige Gouverneur Alexander Bogomas meldete einen Brand in einem Industriebetrieb. Personen kamen nach vorläufigen Erkenntnissen nicht zu Schaden. Auch in den Regionen Kaluga und Orjol wurden Drohnen gesichtet, die von der Luftabwehr abgefangen wurden. In der Region Orjol stürzte eine Drohne nahe eines Umspannwerks ab, wodurch ein kurzzeitiger Stromausfall ausgelöst wurde.

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Moskauer Flughäfen stellen Betrieb vorübergehend ein

Die Moskauer Flughäfen Domodedowo, Scheremetjewo und Wnukowo stellten zeitweise den Betrieb ein. Zahlreiche Passagiere saßen in den Terminals fest. Die russische Luftfahrtbehörde erklärte, der Flugverkehr im Luftraum um Moskau sei vorübergehend eingeschränkt gewesen. Inzwischen wird der Flugbetrieb schrittweise wieder aufgenommen. Eine Sprecherin von Rosawiazija sagte, Sicherheit habe oberste Priorität, der Flugverkehr werde normalisiert, sobald die Lage es zulasse. Innenstadt-Moskau blieb von dem Angriff weitgehend verschont, allerdings waren über dem westlichen Stadtrand mehrere Explosionen zu hören, wie Anwohner in sozialen Medien berichteten.

Kiew bestätigt Gegenangriffe

Die Ukraine hat die Verantwortung über ihren Generalstab indirekt bestätigt. In einer Stellungnahme hieß es, die Angriffe dienten der Schwächung der russischen Versorgungskette. Kiew kündigte an, die Gegenangriffe fortzusetzen, bis die russischen Truppen ihre Angriffe auf die Ukraine einstellen. Die ukrainische Führung betonte, dass Ziele ausschließlich militärische Einrichtungen, Treibstofflager und Verteidigungsanlagen seien. Ein ranghoher Vertreter des ukrainischen Militärgeheimdiensts erklärte, man habe in der Nacht mindestens drei wichtige Objekte getroffen. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

Hintergrund: Kiew setzt auf asymmetrische Kriegsführung

Die Ukraine hat ihre Strategie in den vergangenen Monaten verändert. Anstatt sich nur auf die Verteidigung zu beschränken, versucht Kiew, mit eigenen Angriffen den Krieg auf russisches Territorium zu tragen. Diese Gegenangriffe verfolgen mehrere Ziele: Sie sollen Militärlogistik stören, Luftverteidigungssysteme binden und der russischen Bevölkerung die Folgen des Krieges vor Augen führen. Drohnenangriffe auf Raffinerien und Treibstoffdepots verursachen zudem wirtschaftlichen Schaden.

Die russische Führung steht unter Druck. In einigen Regionen wurden bereits Luftabwehrsysteme aus der Ukraine abgezogen, um wichtige Städte wie Moskau zu schützen. Das könnte Entlastung für die ukrainische Armee an der Front bedeuten. Allerdings riskiert Kiew mit den Angriffen auch eine Eskalation. Russland hat mit massiven Raketenangriffen auf ukrainische Energieanlagen geantwortet.

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Reaktionen und Ausblick

International wurde der nächtliche Angriff aufmerksam verfolgt. Die USA und EU-Länder zeigen sich skeptisch gegenüber einer Eskalation, sehen aber das Recht der Ukraine auf Selbstverteidigung. Ein Sprecher des UN-Generalsekretärs äußerte sich besorgt über die Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung in Russland. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz rief beide Seiten dazu auf, die Genfer Konventionen einzuhalten.

Die russische Regierung kündigte Konsequenzen an. Das Außenministerium drohte mit Vergeltung. Bereits in der Vergangenheit hatte Moskau mit massiven Raketenangriffen auf ukrainische Städte reagiert. Beobachter rechnen daher mit weiteren Angriffen.

Für die russische Zivilbevölkerung ist der Krieg zunehmend spürbar. Anders als in den ersten Monaten des Konflikts sind nicht nur die von der Ukraine gehaltenen Gebiete betroffen, sondern auch tiefere Regionen Russlands. Die Behörden rufen die Bevölkerung wiederholt dazu auf, bei Luftalarm Schutz zu suchen. In Moskau wurden die Warn-Apps inzwischen millionenfach heruntergeladen.

Analysten sehen einen strategischen Wandel: Kiew nutzt eigene Drohnen- und Raketensysteme, um militärische Schwachstellen in Russland zu treffen. Diese Gegenangriffe sollen die russische Führung zwingen, Luftverteidigungssysteme von der Front abzuziehen. Ein Ende der gegenseitigen Angriffe ist nicht in Sicht.