Kommentar: Putins verzweifeltes Umherschlagen lässt nur einen Schluss zu. Nun wurde sogar das Wirtschaftsforum des russischen Präsidenten von ukrainischen Drohnen gestört. Der kann die Realität nicht länger ausblenden – der wachsende Druck wirkt. Carsten Volkery
Brennende Öltanks in St. Petersburg: Selenskyj wollte ein Zeichen setzen
Lange hat Russlands Präsident Wladimir Putin es geschafft, die Realität seines Krieges von der russischen Bevölkerung fernzuhalten. Wer in Moskau oder St. Petersburg wohnte, bekam von der „militärischen Spezialoperation“ in der fernen Ukraine wenig mit. Auch die Rekrutierung der Soldaten fand vor allem in entlegenen Regionen statt.
Im fünften Kriegsjahr tragen die Ukrainer den Krieg jedoch zunehmend nach Russland. Beinahe täglich brennen irgendwo Ölanlagen, Depots oder andere Infrastruktur. Diese Woche sandten die ukrainischen Drohnenpiloten auch einen Willkommensgruß an die Gäste des Internationalen Wirtschaftsforums in St. Petersburg, einem Prestigeprojekt von Putin.
Zum Auftakt der Veranstaltung brannten mehrere Öltanks im Hafen der alten Zarenstadt, die Rauchsäulen waren kilometerweit zu sehen. Anders als bei der Moskauer Siegesparade am 9. Mai, als die Ukraine einer Waffenruhe zustimmte, wollte Präsident Wolodymyr Selenskyj dieses Mal ein Zeichen setzen.
Nico Lange: Putin weiß es, die Eliten wissen es – und die Menschen spüren es jeden Tag
Putin wird in seiner Rede auf dem Forum versuchen, die unschöne Realität auszublenden. Er will die Botschaft senden, dass der Boykott des Westens seinem Reich nichts anhaben kann und der Kreml eine alternative Wirtschaftsordnung aufgebaut hat. Dabei helfen ihm leider auch einige deutsche Unternehmer und AfD-Politiker, die es für angebracht halten, Putins Propagandashow mit ihrer Anwesenheit zu legitimieren.
Die Angriffe auf die Infrastruktur in Russland zeigen, dass die Ukraine in der Lage ist, tief ins Hinterland vorzudringen. Der Kreml kann dies nicht länger verheimlichen. Die Bevölkerung in den Großstädten beginnt, die Auswirkungen des Krieges zu spüren. Die Propaganda von einem siegreichen Feldzug bröckelt.
Putins Reaktion auf die zunehmenden Drohnenangriffe wirkt hektisch und planlos. Statt einer strategischen Antwort gibt es nur Durchhalteparolen. Doch die Realität holt ihn ein: Die Wirtschaft leidet unter den Sanktionen, die Kriegskosten steigen, und die Gesellschaft wird unruhig. Das Wirtschaftsforum, einst Symbol für Russlands Aufstieg, wird zur Bühne der eigenen Ohnmacht.



