Rumänien hat am Freitagvormittag erstmals seit Beginn des Ukraine-Kriegs eine Drohne über seinem Luftraum abgeschossen. Ein rumänischer Pilot an Bord eines F-16-Kampfjets eliminierte das Objekt über unbewohntem Gebiet nahe Padina im ostrumänischen Kreis Buzau mit einer Rakete, teilte das Verteidigungsministerium mit. Der Präsident des Nato-Mitgliedstaats, Nicusor Dan, bestätigte den Einsatz und beauftragte Untersuchungsteams mit der Detailanalyse. Über die Herkunft der Drohne machte das Ministerium zunächst keine Angaben. Rumänien grenzt auf rund 600 Kilometern an die von Russland angegriffene Ukraine; in der Vergangenheit waren mehrere Dutzend russische Drohnen in den rumänischen Luftraum eingedrungen. Bukarest hatte erst im Vorjahr die gesetzlichen Grundlagen für Abschüsse geschaffen. Im Mai war ein Fluggerät in ein Wohnhaus im Osten Rumäniens gestürzt, zwei Menschen wurden verletzt – damals sprach Bukarest von einer russischen Drohne. Beim aktuellen Einsatz stiegen auch zwei italienische Kampfflugzeuge und eine weitere rumänische F-16 von der Luftwaffenbasis Fetesti auf. Die Bevölkerung am Boden wurde vor herabfallenden Trümmern gewarnt. Verteidigungsminister Radu Miruta lobte die Piloten: „Durch ihre Professionalität, Besonnenheit und schnelle Reaktion haben sie eine Drohne neutralisiert, die unbefugt in den rumänischen Luftraum eingedrungen war“, schrieb er auf Facebook.
Selenskyj verkündet Abkommen mit Raytheon zur Patriot-Produktion
Präsident Wolodymyr Selenskyj gab am 23. Juli bekannt, dass die Ukraine und der US-Rüstungskonzern Raytheon vereinbart haben, gemeinsam Patriot-Abfangraketen zu produzieren. Dies folgte auf ein Treffen mit Führungskräften des Unternehmens. Polen hat den USA zudem vorgeschlagen, die Produktion auf polnischem Gebiet anzusiedeln, um Sicherheitsbedenken auszuräumen. Die stellvertretende polnische Verteidigungsministerin Magdalena Sobkowiak-Czarnecka erklärte in Washington: „Das ist ein Produkt, das praktisch weltweit gebraucht wird. Daher unser Vorschlag, uns an einer solchen gemeinsamen Produktion zu beteiligen.“ Warschau wirbt auch für ein Servicezentrum für Patriot-Systeme auf seinem Territorium. Die Gespräche zwischen Washington, Kyjiw und Warschau sollen fortgesetzt werden.
Russland attackiert ukrainische Häfen – 150.000 Menschen in Tschernihiw ohne Strom
Russland hat nach eigenen Angaben in der Nacht drei ukrainische Häfen beschossen: Odessa, Mykolajiw und Ismail. Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, luftgestützte Raketen und Kampfdrohnen hätten in Odessa Lagertanks mit Treibstoff für die ukrainische Armee getroffen, in Ismail Entlade- und Lageranlagen für Militärgüter einschließlich Seedrohnen sowie ein Schwimmdock. In Mykolajiw sei ein Frachtschiff beschossen worden, das Militärgüter entlud. Unabhängige Überprüfungen sind nicht möglich. In der nordukrainischen Stadt Tschernihiw und Umgebung sind nach einem russischen Angriff auf eine Energieanlage rund 150.000 Verbraucher ohne Strom. Der regionale Energieversorger Tschernihiwoblenergo teilte mit, die Wiederherstellung laufe. Die russischen Streitkräfte greifen immer wieder die Energieversorgung der Ukraine an.
Wasserprobleme am AKW Saporischschja – IAEA besorgt
Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) meldet, dass „militärische Aktivitäten“ die Wasserversorgung von Teilen des von Russland besetzten Atomkraftwerks Saporischschja beeinträchtigen. Generaldirektor Rafael Grossi erklärte, Angriffe in und um Enerhodar hätten die lokale Strominfrastruktur getroffen, was zu einem Ausfall der Wasserversorgung in der Stadt und auf dem AKW-Gelände führte. Es gebe jedoch keinen Mangel an Brunnenwasser zur Kühlung des Brennstoffs. IAEA-Beobachter haben seit dem 18. Juli nur begrenzten Zugang zu Leitungswasser.
Massiver Drohnenangriff auf Sankt Petersburg – Lagerhaus in Brand
Die russische Metropole Sankt Petersburg wurde am Freitagmorgen nach Behördenangaben mit mindestens 50 Drohnen angegriffen. Ein Lagerhaus des Online-Händlers Wildberries in der Nähe der Stadt geriet in Brand. Drei Menschen wurden verletzt. Das Unternehmen stellte den Betrieb an zwei Logistikstandorten in der Region ein. Die Ukraine will mit solchen Angriffen den Nachschub für die russischen Truppen stören.
Weitere Entwicklungen: Explosionen in Kyjiw, Verletzte in Slowjansk, Su-57-Absturz
In Kyjiw waren mehrere Explosionen zu hören; Bürgermeister Vitali Klitschko meldete den Einsatz der Flugabwehr. In Slowjansk verletzten russische Gleitbomben mindestens 14 Menschen und beschädigten sieben Wohnblocks, so der Militärgouverneur der Region Donezk, Wadym Filaschkin. In der Nähe Moskaus stürzte ein russischer Kampfjet vom Typ Su-57 ab; der Pilot rettete sich mit dem Schleudersitz. Offiziell wird ein technischer Fehler vermutet, ein Militärblogger deutete Eigenbeschuss an, ohne Belege zu liefern. Ein Schiff der russischen Schattenflotte, der Tanker „Deliver“, verließ Marseille nach Zahlung einer Geldstrafe. Frankreich hatte es Ende Juni festgesetzt, da es unter Umgehung der EU-Sanktionen russisches Öl transportiert haben soll. China lässt offenbar Soldaten in Russland an einem Übungsplatz nahe Wolgograd ausbilden, um Erfahrungen aus dem Ukraine-Krieg zu sammeln, berichtet „The Economist“ unter Berufung auf europäische und amerikanische Quellen.



