Der russische Atomkonzern Rosatom hat der Ukraine vorgeworfen, den Chefingenieur des besetzten Atomkraftwerks Saporischschja gezielt getötet zu haben. Bei dem Angriff sei auch der Fahrer ums Leben gekommen, teilte Rosatom am Mittwoch mit. Die Ukraine wies die Vorwürfe zurück.
Drohnenangriff auf Dienstfahrzeug
Laut Rosatom wurde das Fahrzeug, in dem sich Alexander Jakowlow und sein Fahrer befanden, von einer ukrainischen Drohne nahe des Kraftwerks getroffen. Rosatom-Chef Alexej Lichaschow erklärte, Jakowlow habe „sein ganzes Leben der Kernenergie gewidmet und sei gewissermaßen an seinem Gefechtsposten gestorben“. Jakowlow war zuvor auf den Telegram-Kanälen des Kraftwerks und von Rosatom nicht erwähnt worden.
Hintergrund: Größtes Atomkraftwerk Europas
Das Atomkraftwerk Saporischschja im Südosten der Ukraine ist das größte in Europa. Es steht seit März 2022 unter russischer Kontrolle und liegt nahe der Front. Die sechs Reaktoren sind abgeschaltet, benötigen jedoch weiterhin Elektrizität für Kühl- und Sicherheitssysteme. Seit Kriegsbeginn haben sich beide Seiten wiederholt gegenseitig beschuldigt, mit Angriffen auf die Anlage eine Atomkatastrophe zu riskieren.
Moskau fordert IAEA-Stellungnahme
Das russische Außenministerium forderte die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA) zu einer klaren Verurteilung des Vorfalls auf. „Wir fordern von den zuständigen internationalen Gremien, allen voran der IAEA, eine klare und unmissverständliche Erklärung, in der dieser Mord verurteilt wird“, schrieb Sprecherin Marija Sacharowa auf Telegram. Sie nannte IAEA-Chef Rafael Grossi namentlich.
IAEA verurteilt Angriff
Die IAEA reagierte später auf der Plattform X und verurteilte den Vorfall. Grossi bezeichnete den Angriff als „inakzeptabel“ und als Gefährdung der nuklearen Sicherheit. Die Organisation rief zur Einstellung aller Angriffe auf oder nahe Nuklearanlagen und deren Personal auf.



