Selenskyj: Russland griff Atomanlage in Tschernobyl-Zone gezielt an
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Russland vorgeworfen, ein Lager für abgebrannte Brennelemente in der Sperrzone um das stillgelegte Atomkraftwerk Tschernobyl absichtlich attackiert zu haben. Es handle sich um einen „außerordentlich hinterhältigen russischen Angriff“, erklärte er auf Telegram. Die zuständigen Ministerien und Dienste hätten die Partner Kiews über den Vorfall informiert.
Wie der ukrainische Staatskonzern Energoatom mitteilte, wurde bei einem russischen Drohnenangriff ein Gebäude des zentralen Lagers für abgebrannte Brennelemente in der Zone um Tschernobyl getroffen. Das Gebäude für die Annahme von Behältern sei in der Nacht teilweise zerstört worden. Allerdings sei dort kein abgebrannter Kernbrennstoff gelagert worden, sodass keine erhöhte Strahlung gemessen wurde.
Angriff vor Ukraine-Treffen in London
Der Vorfall dürfte auch bei einem neuen Ukraine-Treffen in London eine Rolle spielen. In der britischen Hauptstadt kommen heute Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der französische Präsident Emmanuel Macron und der britische Premierminister Keir Starmer mit Selenskyj zusammen. Selenskyj will die Verbündeten zu schärferem Vorgehen gegen Russland drängen.
Selenskyj: „Himmelhohe russische Unverschämtheit“
„Russland hat absichtlich genau diese Anlage der nuklearen Infrastruktur getroffen“, sagte Selenskyj. Zwar gebe es keine Überschreitung der Grenzwerte für die Strahlung, aber „eine Überschreitung der ohnehin schon himmelhohen russischen Unverschämtheit“. Ein Brand in einem Gebäude der Anlage sei gelöscht worden.
Selenskyj forderte die Weltgemeinschaft erneut zum Durchgreifen gegen Russland auf. „In dieser Nacht gab es russische Angriffe auch auf andere zivile Objekte in 13 unserer Regionen“, sagte er. Im Laufe der Woche habe Russland 88 Raketen und Marschflugkörper, über 3.250 Kampfdrohnen und etwa 1.800 Gleitbomben gegen die Ukraine eingesetzt. Die Behörden in der umkämpften Region Saporischschja meldeten am Vormittag, dass eine russische Gleitbombe drei Menschen in einem Dorf getötet habe.
Hintergrund: Tschernobyl und die Sperrzone
Am 26. April 1986 war in der damaligen Sowjetrepublik Ukraine ein Test im AKW Tschernobyl außer Kontrolle geraten, und es trat der größte anzunehmende Unfall (GAU) ein. Radioaktive Wolken breiteten sich abgeschwächt bis nach Nord- und Westeuropa aus. In der Sperrzone gab es bereits mehrfach russische Angriffe. Die internationale Gemeinschaft beobachtet die Lage mit Sorge.



