Bei einem russischen Drohnenangriff in der Nacht zum Sonntag wurde nach ukrainischen Angaben ein Gebäude des zentralen Lagers für abgebrannte Brennelemente in der Sperrzone um das stillgelegte Atomkraftwerk Tschernobyl getroffen. Das teilte der Staatskonzern Energoatom mit. Das Feuer, das auf einer Fläche von rund 40 Quadratmetern ausgebrochen war, konnte gelöscht werden. Erhöhte Strahlenwerte seien nicht zu befürchten, hieß es.
Selenskyj wirft Russland gezielten Angriff vor
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj reagierte umgehend und beschuldigte Russland, das Lager in der Sperrzone absichtlich angegriffen zu haben. In einer Mitteilung auf Telegram sprach er von einem „außerordentlich hinterhältigen russischen Angriff“. Die zuständigen Ministerien und Dienste hätten die internationalen Partner Kiews informiert. „Russland hat absichtlich genau diese Anlage der nuklearen Infrastruktur getroffen“, betonte Selenskyj. Er fügte hinzu: „Es gibt keine Überschreitung der Grenzwerte für die Strahlung, aber eine Überschreitung der ohnehin schon himmelhohen russischen Unverschämtheit.“
Feuer schnell unter Kontrolle
Laut Energoatom breitete sich das Feuer auf einer Fläche von 40 Quadratmetern aus, bevor es gelöscht werden konnte. Das betroffene Gebäude dient als Annahmestelle für Behälter mit abgebrannten Brennelementen, die aus anderen ukrainischen Kernkraftwerken stammen. In dem zentralen Lager in der Sperrzone werden diese Brennelemente langfristig aufbewahrt. Das Gebäude selbst enthielt jedoch keinen abgebrannten Kernbrennstoff, weshalb die Strahlenwerte innerhalb der festgelegten Grenzwerte blieben.
IAEA zeigt sich besorgt
Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) wurde von ukrainischer Seite über die „erheblichen Schäden“ an dem Gebäude informiert. Betroffen sind demnach die Fassade, Fenster und Türen. Auch benachbarte Gebäude wurden durch die Druckwelle in Mitleidenschaft gezogen. Ein IAEA-Team werde die Anlage in Kürze besuchen, um die Auswirkungen zu begutachten, teilte die Behörde mit.
Grossi: Angriff völlig inakzeptabel
IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi erklärte auf der Plattform X, der Vorfall sei äußerst besorgniserregend, da er sich in einer Liegenschaft ereignet habe, wo große Mengen an Kernmaterial gelagert seien – nur wenige Meter vom angegriffenen Gebäude entfernt. Angriffe auf kerntechnische Anlagen seien völlig inakzeptabel und verstießen direkt gegen zentrale Grundsätze der nuklearen Sicherheit während eines militärischen Konflikts, sagte Grossi. Die internationale Gemeinschaft müsse solche Handlungen scharf verurteilen.
Der Vorfall ereignete sich in der 30-Kilometer-Sperrzone um das vor 40 Jahren havarierte Atomkraftwerk Tschernobyl. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 gab es immer wieder Berichte über Gefechte und Angriffe in der Region, die auch die nukleare Sicherheit gefährden.



