Die Ukraine hat innerhalb einer Woche drei Logistikzentren des russischen Online-Versandhändlers Wildberries angegriffen, der als russisches Amazon gilt. In der Nacht zum 22. Juli trafen Drohnen ein Zentrum in Krasnodar im Süden Russlands und setzten es in Brand. Behördenangaben zufolge starb eine Person, 15 weitere wurden verletzt. Zuvor waren bereits am 17. und 18. Juli Anlagen in Elektrostal bei Moskau und in Kotowsk getroffen worden, mit Toten und Dutzenden Verletzten. Die Ukraine verfolgt damit eine Strategie, den Krieg für die russische Zivilbevölkerung erfahrbar zu machen.
Angriff auf Krasnodar und Newinnomyssk
Das Logistikzentrum in Krasnodar und ein weiteres in Newinnomyssk wurden evakuiert, wie Wildberries-Geschäftsführerin Tatjana Kim mitteilte. Der Gouverneur der Region Stawropol, Wladimir Wladimirow, bestätigte einen Brand in einem Logistikzentrum am Rand von Newinnomyssk nach einem Drohnenangriff; fünf Menschen wurden medizinisch versorgt. Das russische Ermittlungskomitee leitete eine Untersuchung wegen „Anschlags“ ein.
Milliardenschaden für Wildberries
Die Angriffe treffen das Unternehmen schwer: Die Zeitung „Kommersant“ berichtet, dass etwa sieben Prozent der Lagerfläche abgebrannt seien. Die russische „Forbes“-Ausgabe schätzt den Verlust sogar auf neun Prozent, was einem Schaden von 33 Milliarden Rubel (rund 368 Millionen Euro) entspricht. Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow bezeichnete die Situation am Dienstag als „schwierig“. Die Schläge träfen nicht nur Wildberries, sondern auch mittlere und kleinere Unternehmen, die ihre Bestellungen über den Händler abwickeln. Diese erleiden teils existenzbedrohende Verluste, zumal Wildberries seine Geschäftsbedingungen änderte: Der Händler haftet nun nicht mehr für Schäden durch Drohnenangriffe.
Strategie: Krieg nach Hause bringen
Die Ukraine greift gezielt Infrastruktur an, die den Krieg für Russen spürbar macht. Wildberries wickelt täglich mehr als zehn Millionen Bestellungen ab. Die Zerstörung der Versandzentren führt zu Verzögerungen bei der Warenzustellung. Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte die Angriffe und erklärte, die Ukraine habe Logistikzentren attackiert, die an der Versorgung der russischen Armee mit Drohnenkomponenten, Navigationsausrüstung und anderem Material beteiligt gewesen seien. „Wir bringen den Krieg – völlig zu Recht – nach Hause“, so Selenskyj. Der Kreml dementierte, dass über Wildberries solche Dual-Use-Güter bezogen würden.
Auswirkungen auf die russische Bevölkerung
Viele Russen hatten bislang wenig Konsequenzen des Krieges gespürt. Doch Kiews Drohnen zerstören zunehmend Ölraffinerien und Depots, was zu langen Schlangen an Tankstellen führt. Die Angriffe auf Wildberries verschärfen die Lage: „Die gesamte Ware meiner Kunden geht gerade in Flammen auf“, schluchzte eine Händlerin in einem Video, dessen Echtheit nicht abschließend geprüft werden konnte.



