Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat gemeldet, dass „militärische Aktivitäten“ die Wasserversorgung von Teilen des von Russland besetzten Atomkraftwerks Saporischschja beeinträchtigen. IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi teilte mit, Angriffe in und um die Stadt Enerhodar, in der viele Mitarbeiter des Kraftwerks leben, hätten die örtliche Strominfrastruktur getroffen. Dies habe zu einem Ausfall der Wasserversorgung in der Stadt und auf dem AKW-Gelände geführt. Es gebe jedoch keinen Mangel an Brunnenwasser, das zur Kühlung des Brennstoffs in den Reaktoren benötigt wird. Für die am Atomkraftwerk stationierten IAEA-Beobachter gebe es seit dem 18. Juli nur begrenzten Zugang zu Leitungswasser.
Bombenangriffe in Saporischschja und Slowjansk
Ein russischer Bombenangriff hat mindestens 25 Verletzte in der südukrainischen Großstadt Saporischschja gefordert. Unter den Opfern seien auch sechs Minderjährige, darunter ein drei Monate altes Baby, schrieb der ukrainische Militärgouverneur der Region, Iwan Fedorow, auf Telegram. Seinen Angaben nach warf das russische Militär fünf Gleitbomben auf die Stadt ab und beschädigte dabei Wohnhäuser und eine private medizinische Einrichtung. Russland führt seit mehr als vier Jahren Krieg in der Ukraine. Die Region Saporischschja ist eine der vier Regionen, die der Kreml im Herbst 2022 annektiert hat, obwohl er sie bis heute nicht vollständig kontrolliert. Die Stadt Saporischschja ist wegen ihrer Nähe zur Front häufig Ziel russischer Angriffe.
Russische Gleitbomben haben mindestens 14 Menschen in der Stadt Slowjansk im Osten der Ukraine verletzt. Sieben Wohnblocks seien beschädigt worden, schrieb der ukrainische Militärgouverneur der Region Donezk, Wadym Filaschkin, auf Telegram. Demnach schlugen die beiden Gleitbomben in einem Wohnviertel der frontnahen Stadt ein. Der Ballungsraum um Slowjansk und Kramatorsk ist der letzte große Festungsgürtel, den die ukrainischen Truppen in der Region Donezk unter ihrer Kontrolle halten.
Ex-Verteidigungsminister Fedorow will zurück ins Amt
Vor dem Hintergrund neu angekündigter Proteste besteht der entlassene ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow auf seiner Rückkehr ins Amt. „Heute gibt es im Staat nur drei Posten, außer auf dem Schlachtfeld, die den Kriegsverlauf real beeinflussen: der Präsident der Ukraine, der Verteidigungsminister und der Oberkommandierende der Streitkräfte“, sagte Fedorow Journalisten. Er sei deshalb mit keinem anderen Amt als dem des Verteidigungsministers einverstanden. Zuvor hatte Präsident Wolodymyr Selenskyj auf einer Pressekonferenz bestätigt, Fedorow mehrere Positionen angeboten zu haben, darunter die eines Vizeregierungschefs für militärische Innovationen. Fedorow wurde im Rahmen eines Regierungsumbaus vergangene Woche entlassen. Mehrere Tausend Demonstranten in Kiew und anderen Städten forderten daraufhin seine Wiedereinsetzung und die Entlassung von Armeechef Olexander Syrskyj.
Kasachstan drosselt Ölförderung nach Drohnenangriffen
Nach massenhaften ukrainischen Drohnenschlägen in Russland hat das ölreiche Kasachstan in Zentralasien nun eine Drosselung seiner Fördermengen bekanntgegeben. Das Energieministerium in der Hauptstadt Astana begründete den Schritt mit der Sicherheitslage am Terminal des Kaspischen Pipeline-Konsortiums im russischen Schwarzmeer-Hafen Noworossijsk. Die Verladestelle für das über die Kaspische Pipeline transportierte Öl war zuletzt wiederholt das Ziel ukrainischer Drohnenangriffe. Das Konsortium, das den Hafen für die Verschiffung von Öl nutzt, hatte zuletzt protestiert gegen die ukrainischen Angriffe. Die jetzige Senkung der Öl-Fördermengen sei eine vorübergehende Maßnahme, teilte das Ministerium weiter mit. Derzeit seien die Verladevorgänge „vorübergehend ausgesetzt, um die Sicherheit der Schiffe, der Besatzungen und der Umwelt im Schwarzmeer-Gebiet zu gewährleisten“.
Neue Militärführung soll Mobilmachung verbessern
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj beauftragt die neue Militärführung mit einer besseren Mobilmachung und will den abgesetzten Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow im Kabinett halten. Der neue Verteidigungsminister Jewhenij Chmara und der neue Oberbefehlshaber Mychajlo Drapatyj müssten die Rekrutierung von Soldaten verbessern, sagte Selenskyj der Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine zufolge am Donnerstag. Fedorow seien mehrere Posten angeboten worden, darunter ein Ressort für Verteidigungsinnovationen im Rang eines Vizeministerpräsidenten. Selenskyj bestätigte, dass er Ex-Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko den wichtigen Botschafterposten in den USA angeboten habe. Der bisherige Verteidigungsminister Fedorow, ein junger Technologieexperte, und der bisherige Oberbefehlshaber Olexander Syrskyj, ein altgedienter General sowjetischer Schule, hatten sich öffentlich überworfen. Daraufhin hatte Selenskyj zunächst Fedorow und dann, nach öffentlichen Protesten, auch Syrskyj entlassen. Der neue Verteidigungsminister Chmara, ein ehemaliger Geheimdienstler und Drohnenexperte, und der neue Militärchef Drapatyj sollen nach bisherigen Angaben Angriffe auf Russland verstärken und Effizienzmängel beheben. Dazu zählen Rekrutierungsprobleme und Korruption. Chmara ist bisher nur geschäftsführend im Amt, weil seine Bestätigung durch das Parlament noch aussteht.
Selenskyj erwartet russische Angriffe auf Getreideschiffe
Russland wird nach Einschätzung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj seine Angriffe auf Schiffe im Schwarzen Meer verstärken. Moskau wolle den ukrainischen Getreidekorridor auf dem Seeweg blockieren, zitiert die Nachrichtenagentur Interfax den Präsidenten. Vertreter der Ukraine und der USA könnten sich nach den Worten Selenskyjs in den kommenden Tagen in den USA treffen. Er habe am Mittwoch mit den US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner über Ideen zur Wiederbelebung der Friedensgespräche mit Russland gesprochen, sagt Selenskyj.
EU verhängt neues Sanktionspaket gegen Russland
Das 21. Sanktionspaket der Europäischen Union ist nach Angaben der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas das umfangreichste Maßnahmenbündel der Europäischen Union gegen Russland wegen des Ukraine-Kriegs seit vier Jahren. Es richte sich gegen 218 Personen und Organisationen. Die Maßnahmen träfen mehr als 100 Banken und Kryptowährungsanbieter, über 40 Schiffe der sogenannten russischen Schattenflotte sowie mehrere Ölraffinerien. Zudem würden mehr als 50 Einrichtungen aus dem militärisch-industriellen Komplex auf die Sanktionsliste gesetzt. Dazu zählten wichtige Akteure, die an der Produktion russischer Drohnen mit großer Reichweite beteiligt seien, erläutert Kallas auf X. Die EU-Botschafter hatten die Einigung auf das Paket am Vormittag bekannt gegeben.
Kreml dämpft Hoffnung auf baldige Friedenslösung
Nach einem Treffen der Außenminister Russlands und der USA, Sergej Lawrow und Marco Rubio, in Manila schätzt der Kreml die Aussichten auf ein schnelles Abkommen zur Beendigung des Ukraine-Kriegs als wenig optimistisch ein. Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow betont gleichwohl, dass Russland den Dialog mit den USA fortsetzen werde. Er hoffe auf einen Besuch der US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner in Moskau, sobald diese verfügbar seien. US-Außenminister Marco Rubio hat gegenüber Russland die Bereitschaft der Vereinigten Staaten bekräftigt, bei der Suche nach einer Friedenslösung im Ukraine-Krieg zu helfen. „Wir sind bereit, eine konstruktive Rolle bei der Beendigung eines sinnlosen Krieges zu spielen“, sagt Rubio nach einem Treffen mit Lawrow. Für ein Friedensabkommen sei aber noch viel Arbeit nötig.
Tote bei ukrainischen Angriffen auf Krim und Woronesch
Bei ukrainischen Angriffen auf die von Russland annektierte Halbinsel Krim und die südwestrussische Stadt Woronesch sind in der Nacht nach Angaben der Behörden zwei Menschen getötet worden. In Woronesch starb ein dreijähriger Junge bei einem Brand, der durch herabstürzende Trümmer einer abgeschossenen Drohne ausgelöst wurde, wie Regionalgouverneur Alexander Gussew mitteilt. Auf der Krim kam nach Angaben des Gouverneurs Sergej Aksjonow ein Mensch ums Leben. Vier weitere Menschen seien verletzt worden, darunter zwei Kinder. Dem Verteidigungsministerium in Moskau zufolge schoss die Luftabwehr in der Nacht insgesamt 223 ukrainische Drohnen ab.



