Ein ukrainischer Angriff hat in der Nacht zum Montag ein Logistikzentrum des größten russischen Online-Händlers Wildberries in der Region Wladimir östlich von Moskau in Brand gesetzt. Das Unternehmen bestätigte den Vorfall und sprach von einem Feuer nach einem Angriff. Mitarbeiter seien in Sicherheit gebracht worden, die Feuerwehr sei im Einsatz. Über Verletzte oder Tote gebe es keine Berichte. Die Logistik werde auf andere Standorte umgeleitet, um den Versand aufrechtzuerhalten.
Es ist bereits der mindestens zwölfte Angriff auf ein Wildberries-Lagerhaus seit dem 18. Juli, wie das Unternehmen mitteilte. Die Ukraine hat den russischen Online-Marktführer gezielt ins Visier genommen, weil über den E-Commerce auch das russische Militär mit Ausrüstung versorgt werde. Die Serie von Attacken trifft die russische Konsumwirtschaft empfindlich.
Moskau meldet 635 abgefangene Drohnen
Das russische Verteidigungsministerium teilte unterdessen mit, die Luftabwehr habe in der Nacht zu Sonntag 635 ukrainische Drohnen „abgefangen und zerstört“. Sie seien über mehr als einem Dutzend Regionen aufgetaucht. In der Region Saratow wurden bei einem Angriff auf ein mehrstöckiges Wohnhaus in der Stadt Engels zwei Menschen getötet, wie Gouverneur Roman Bussargin meldete. In Engels liegt einer der größten Luftwaffenstützpunkte Russlands, von dem aus strategische Bomber zu Angriffen auf die Ukraine aufsteigen.
Die Region Saratow liegt mehr als 700 Kilometer von der Grenze zur Ukraine entfernt – ein Zeichen für die wachsende Reichweite ukrainischer Drohnen. Kyjiw will Moskau mit den Angriffen auf militärische und wirtschaftliche Ziele an den Verhandlungstisch zwingen. Zudem meldete das Verteidigungsministerium in Moskau am Samstag die Einnahme der Ortschaften Olgiwka in der Region Charkiw und Ljubytske in der Region Saporischschja.
Ukraine versenkt Frachtschiff und trifft Raffinerien
Im Schwarzen Meer haben ukrainische Marinedrohnen das Containerschiff „Yanina“ versenkt, das zur russischen Atombehörde Rosatom gehört. Das Schiff wurde nahe dem Hafen Noworossijsk von mindestens zwei Drohnen getroffen, wie Rosatom mitteilte. Die 17-köpfige Besatzung konnte sich retten. An Bord befanden sich zivile Güter wie Tiefkühlwaren und Baumaterialien. Hinweise auf Nuklearmaterial gab es nicht.
Rosatom-Chef Alexej Lichatschew nannte den Angriff „Piraterie und Raub auf See“. Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte die Versenkung und erklärte, die Ukraine habe auch die Infrastruktur von drei Ölraffinerien in Baschkortostan angegriffen, das rund 1.600 Kilometer von der Grenze entfernt liegt. Über Moskau habe die Luftabwehr vier Drohnen abgeschossen.
EU-Mission kontrolliert Tanker der Schattenflotte
Im Mittelmeer hat die von Italien geführte EU-Mission EUNAVFOR MED IRINI den unter EU-Sanktionen stehenden Tanker „Toa Payoh“ geentert. Der Kapitän verweigerte die Kooperation, woraufhin italienische Soldaten per Hubschrauber an Bord gingen. Laut Verteidigungsministerium in Rom sollte die Nationalität des Schiffs und seine Flaggenregistrierung überprüft werden. Die „Toa Payoh“ fährt unter kamerunischer Flagge und war auf dem Weg von Benin nach Istanbul. Die EU geht damit gegen Schiffe vor, mit denen Russland Ölexportbeschränkungen umgeht.
Schüsse und Luftangriffe: Gewalt eskaliert
In Odessa hat ein Unbekannter am Abend in einem Rekrutierungszentrum das Feuer auf Angestellte eröffnet. Vier Männer wurden verletzt, einer schwer. Der Schütze floh zunächst, konnte aber später in seiner Wohnung festgenommen werden, wie die Zeitung „Dumskaja“ berichtet. Über sein Motiv ist nichts bekannt.
Bei russischen Luftangriffen auf Saporischschja sind nach offiziellen Angaben mindestens zwei Menschen getötet und 21 weitere verletzt worden. Zwei Gleitbomben beschädigten mehrere Wohnhäuser, teilte der regionale Militärverwalter Iwan Fedorow mit. In Cherson tötete ein Drohnenangriff auf ein Auto eine Frau, zwei Insassen wurden verletzt. Bei einem weiteren Angriff in Nikopol wurden sieben Menschen in einem Minibus verletzt. Der Militärverwalter Olexander Ganscha sprach von einem „gezielten und zynischen Angriff auf Zivilisten“.
Drohnenreste in Rumänien
Erneut sind Teile einer von der Ukraine abgeschossenen Drohne auf rumänisches Staatsgebiet gefallen. Die Trümmer landeten auf einem Acker nahe dem Dorf Periprava an der Donau, ohne Schaden anzurichten, wie das Verteidigungsministerium in Bukarest mitteilte. Die Drohne sei zunächst 20 Minuten im rumänischen Luftraum gewesen, bevor sie in die Ukraine zurückkehrte. Erst Ende Juli hatten rumänische Kampfjets an drei Tagen in Folge russische Drohnen abgeschossen, die in den Luftraum eingedrungen waren.
Explosion in Moskauer Restaurant rätselhaft
Nach der Explosion in dem Restaurant „Balzi Rossi“ im Moskauer Zentrum sind die Ermittlungen noch im Gange. Offiziell starben drei Menschen, darunter die mutmaßliche Täterin, die den Sprengsatz in das Lokal brachte, ein Sicherheitsmitarbeiter und ein Gast. Inoffiziell ist von fünf Toten die Rede. Bei der Explosion wurden 21 Menschen verletzt. Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin sprach von einem „brutalen Terrorakt“. Der Vorfall ereignete sich nur zwei Kilometer vom Kreml entfernt.
Zuvor hatte die Ukraine erneut ein Wildberries-Lager in der Region Samara attackiert. Dort brach ebenfalls ein Feuer aus, Verletzte gab es nicht.
Selenskyj fordert Patriot-Raketen
Angesichts der jüngsten russischen Angriffe auf Kiew hat Präsident Wolodymyr Selenskyj erneut die Lieferung von Patriot-Flugabwehrraketen angemahnt. „Wir brauchen Antworten auf diesen russischen Terror – echte Antworten von der Welt“, sagte er in seiner Videoansprache. Es gebe Raketen für die Systeme auf der ganzen Welt, und die Partner müssten die Entscheidung treffen, sie zu liefern. „Raketen sollen Menschen schützen und nicht in Lagern bleiben“, so Selenskyj. Jeder weitere Tag ohne Hilfe gebe Russland die Gelegenheit, Menschen in der Ukraine zu töten.



