Iran: Augenzeuge berichtet über Hinrichtungen und Proteste in Isfahan
Augenzeuge berichtet über Hinrichtungen in Isfahan

In der iranischen Stadt Isfahan haben Sicherheitskräfte auf dem zentralen Alikhani-Platz einen Galgen errichtet. Die Hinrichtungsstätte soll ein klares Zeichen an alle Regimekritiker senden. Ein Augenzeuge, der den Aufbau beobachtet hat, erklärt seine Motivation: „Ich wollte sehen, ob wir genug Menschen für Proteste sind.“ Der Iran befindet sich im Krieg – und richtet dennoch weiter Bürger hin.

Galgen als Einschüchterung

Der Galgen wurde nicht versteckt, sondern demonstrativ im öffentlichen Raum aufgebaut. Die Sicherheitskräfte arbeiteten laut Augenzeugen in aller Ruhe, als wäre das Aufstellen eines Galgens eine alltägliche Aufgabe. Diese Gelassenheit soll der Bevölkerung vor Augen führen, dass das Regime keine Furcht kennt. Öffentliche Hinrichtungen sind in der Geschichte des Iran immer wieder genutzt worden, um politischen Widerstand zu brechen.

Isfahan ist mit seiner reichen Kultur und Geschichte ein Symbol des iranischen Selbstbewusstseins. Nun soll ausgerechnet hier eine Hinrichtungsstätte entstehen. Die Wahl des Alikhani-Platzes ist kein Zufall: Er ist einer der belebtesten Plätze der Stadt. Viele Menschen passieren ihn täglich. Die Botschaft ist unmissverständlich: Wer protestiert, riskiert sein Leben.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Ein Augenzeuge berichtet

Der Augenzeuge wollte wissen, wie stark die Angst und wie groß die Protestbereitschaft in der Bevölkerung tatsächlich ist. „Ich wollte sehen, ob wir genug Menschen für Proteste sind“, sagt er. Er habe sich unter die Menschen gemischt, obwohl dies gefährlich ist. Wer während einer öffentlichen Hinrichtung auffällig wirkt, kann selbst ins Visier der Sicherheitsbehörden geraten.

Das Bild, das er beschreibt, ist gespalten. Einige Passanten schauen mit Wut auf den Galgen, andere senken den Blick und gehen schnell weiter. Wieder andere bleiben stehen, beobachten die Szene lange und tuscheln miteinander. „Es gibt noch Menschen, die sich nicht einschüchtern lassen“, sagt der Augenzeuge. „Die Frage ist, ob es genug von ihnen gibt.“

Krieg als Ablenkungsmanöver

Der Iran befindet sich derzeit im Krieg. Die Regierung in Teheran nutzt diese Lage offenbar, um innenpolitisch noch härter durchzugreifen. Während sich die internationale Öffentlichkeit auf kriegerische Auseinandersetzungen konzentriert, werden im Inneren Menschen hingerichtet und Oppositionelle verfolgt. Das Regime scheint darauf zu setzen, dass der Krieg von den Menschenrechtsverletzungen ablenkt.

International wird die Hinrichtungspraxis im Iran seit Jahren verurteilt. Die Vereinten Nationen und verschiedene Regierungen fordern ein Ende der Todesstrafe. Doch angesichts der vielen globalen Konflikte haben diese Appelle kaum Gewicht. Die iranische Führung zeigt sich unbeeindruckt und setzt ihre Politik der Einschüchterung fort.

Hoffnung trotz Angst

Der Augenzeuge zieht eine ernüchternde Bilanz. Solange die Bevölkerung durch solche Galgen abgeschreckt wird, erscheint eine Revolution unwahrscheinlich. Dennoch sieht er einen Funken Hoffnung: „Allein die Tatsache, dass Menschen hinschauen und nicht weglaufen, ist ein Zeichen“, sagt er. Er selbst will weitermachen – als Beobachter, als Zeuge, als Bürger.

Isfahan bleibt ein Ort der Gegensätze. Die Stadt ist stolz auf ihre Geschichte, muss aber mit der Gegenwart der Repression leben. Der Galgen auf dem Alikhani-Platz ist das jüngste Kapitel dieser Spannung. Ob er die Menschen einschüchtert oder mobilisiert, wird sich zeigen. Der Augenzeuge jedenfalls stellt weiterhin eine Frage: „Ich wollte sehen, ob wir genug Menschen für Proteste sind.“ Die Antwort darauf ist noch immer offen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration