Zwei Touristen sind in Istanbul festgenommen worden, weil sie im Besucherbereich der Hagia Sophia laut aus der Bibel vorgelesen haben sollen. Die Hagia Sophia, einst byzantinische Kathedrale und heute eine Moschee, ist eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Türkei. Die beiden Verdächtigen wurden von der Polizei festgenommen und anschließend der Migrationsbehörde übergeben.
Ermittlungen wegen Hass und Feindseligkeit
Gegen die beiden wird wegen Anstiftung zu Hass und Feindseligkeit ermittelt, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. Der Vorfall ereignete sich bereits am Dienstag. Nach Angaben der russischen Staatsagentur Tass handelt es sich bei den Festgenommenen um russische Staatsbürger. Das russische Konsulat in Istanbul untersucht die Umstände der Inhaftierung.
Bewegte Geschichte der Hagia Sophia
Die Hagia Sophia hat eine bewegte Vergangenheit: Sie wurde im 6. Jahrhundert nach Christus unter dem byzantinischen Kaiser Justinian als Kirche erbaut. Nach der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen im Jahr 1453 wurde sie in eine Moschee umgewandelt. 1934 ordnete der türkische Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk die Umwandlung in ein Museum an. Im Sommer 2020 ließ Präsident Recep Tayyip Erdogan die Hagia Sophia erneut in eine Moschee umwandeln, was international auf Kritik stieß.
Rechtliche Konsequenzen
Die Festnahme zeigt die angespannte Situation in der Türkei bezüglich religiöser Symbole und nationaler Identität. Die Touristen könnten mit einer Ausweisung rechnen, falls die Ermittlungen zu einem Schuldspruch führen. Die russische Seite hat Konsularhilfe zugesichert. Der Vorfall unterstreicht die hohe Sensibilität im Umgang mit der Hagia Sophia, die sowohl für Christen als auch für Muslime von großer Bedeutung ist.
Die Hagia Sophia ist seit ihrer erneuten Umwandlung in eine Moschee für Touristen zugänglich, jedoch gelten strenge Verhaltensregeln. Laut Berichten soll das laute Vorlesen aus der Bibel als Provokation aufgefasst worden sein. Die Polizei griff ein, um die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten.



