Die USA und der Iran stehen offenbar kurz vor einer Einigung zur Wiedereröffnung der strategisch wichtigen Straße von Hormus. US-Finanzminister Scott Bessent kündigte am Dienstag an, dass eine Vereinbarung bereits am selben Tag oder am Mittwoch erzielt werden könnte. „Wir sind in Gesprächen mit den Iranern, und ich denke, es besteht die Chance, dass wir heute oder morgen eine Einigung erzielen, um die Meerenge zu öffnen und in diesem Konflikt zu einer normaleren Lage überzugehen“, sagte Bessent in einem Interview mit dem Sender CNBC.
Vermittlungsbemühungen laufen auf Hochtouren
Katar, das gemeinsam mit Pakistan in dem Konflikt vermittelt, bestätigte, dass die diplomatischen Bemühungen weit fortgeschritten seien. „Es werden ständig Entwürfe ausgetauscht“, sagte Madschid al-Ansari, Sprecher des katarischen Außenministeriums, in Doha. Eine Einigung zur Öffnung der Meerenge gebe es aber noch nicht, räumte er ein. „Das könnte sich in den nächsten Stunden oder Tagen ändern“, so al-Ansari.
Der Iran fordert Insidern zufolge weitreichende Kontrollrechte über den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus. Ein iranischer Insider erklärte gegenüber Reuters, Teheran verlange die Kontrolle über einlaufende Schiffe und Einblick in den auslaufenden Verkehr. Die Ausfahrtsroute solle zwischen dem Iran und dem Oman verlaufen, wobei Oman nach Benachrichtigung des Irans die Genehmigungen erteilen solle. Eine Änderung dieser Position sei unwahrscheinlich.
Sorge um US-Raketenbestände
Unterdessen berichten Insider von erheblichen Engpässen bei wichtigen US-Raketen. Die USA hätten im Iran-Krieg „nahezu alle“ ihrer landgestützten Langstreckenraketen vom Typ ATACMS und PrSM verbraucht, sagten zwei Regierungsvertreter gegenüber Reuters. Auch die Bestände an Tomahawk-Marschflugkörpern seien um fast die Hälfte reduziert worden. Einem Bericht des Center for Strategic and International Studies (CSIS) zufolge wurden zwischen Februar und Juli etwa 65 Prozent der Patriot-Abfangraketen verbraucht und die THAAD-Bestände um mindestens 38 Prozent reduziert.
US-Präsident Donald Trump wies die Bedenken zurück: Die USA hätten „weit mehr Munition als irgendjemand sonst auf der Welt“ und „weit mehr, als wir brauchen“, ließ er über das Weiße Haus erklären. Analysten betonen jedoch die Bedeutung dieser Waffen für mögliche künftige Konflikte, etwa mit China oder Russland.
Iran weist Verhandlungspläne zurück
Die Führung in Teheran dementierte unterdessen erneut, dass Gespräche mit den USA geplant seien. Außenministeriumssprecher Esmaeil Baghaei erklärte, es fänden keine Verhandlungen statt und es seien auch keine Treffen vorgesehen. Einzige Ausnahme seien Gespräche mit dem Oman über die Verwaltung der Straße von Hormus. Präsident Massud Peseschkian betonte, der Iran strebe keine Ausweitung des Krieges an, verteidige aber seine Grenzen.
Trump hatte zuvor von einer „letzten Chance“ für Teheran gesprochen und neue Angriffe in letzter Minute abgesagt. Er drohte: „Ich möchte ihnen jede letzte Chance vor der Enthauptung geben.“ Die Ölpreise reagierten dennoch mit deutlichen Rückgängen auf die jüngsten Friedenshoffnungen, der Dax stieg auf ein Rekordhoch.
Angriffe und Gegenangriffe
Die Lage bleibt angespannt: In der Straße von Hormus wurde erneut ein Frachter von einem „unbekannten Geschoss“ getroffen, wie die britische Behörde zur Sicherheit der Schifffahrt (UKMTO) mitteilte. Der Angriff ereignete sich rund 37 Kilometer nordöstlich des omanischen Ortes Al Khasab. Zudem reklamierten die Huthi im Jemen einen Drohnenangriff auf ein militärisches Ziel am Flughafen Nadschran in Saudi-Arabien. Saudi-Arabien bestätigte dies zunächst nicht.
Der staatliche saudi-arabische Ölkonzern Aramco profitiert unterdessen von den kriegsbedingt gestiegenen Ölpreisen: Der bereinigte Gewinn stieg im zweiten Quartal um ein Drittel auf rund 29 Milliarden US-Dollar. Saudi-Arabien kann die Blockade der Straße von Hormus über eine eigene Pipeline umgehen.



