Marokko weist Verantwortung für Migrantenansturm auf Ceuta zurück
Marokko weist Verantwortung für Ceuta-Ansturm zurück

Die Regierung Marokkos hat jegliche Verantwortung für den Massenansturm von Migranten auf die spanische Exklave Ceuta zurückgewiesen. Ein hochrangiger, anonym bleibender Regierungsvertreter in Rabat bestritt gegenüber Journalisten, dass die Grenzkontrollen unzulänglich gewesen seien. Die Zahl der Migranten sei derart angeschwollen, dass die Sicherheitskräfte „an einem bestimmten Punkt“ nicht mehr hätten eingreifen können.

Marokko verweist auf spanisches Gerichtsurteil

„Es ist zu einfach zu sagen, dass die marokkanischen Sicherheitskräfte einfach hätten Gewalt einsetzen können, um sie zu stoppen“, so der Regierungsmitarbeiter. Er betonte: „Es ist nicht allein die Verantwortung Marokkos, dieses Problem in den Griff zu bekommen.“ Rabat verwies auf ein spanisches Gerichtsurteil, wonach über den Seeweg ankommende Migranten nicht ohne Weiteres abgeschoben werden dürfen. Dieses Urteil habe man Madrid im Vorfeld als problematisch angekündigt – „und es hat für Probleme gesorgt“.

Madrid widerspricht Darstellung

Die spanische Regierung wies die Darstellung umgehend zurück. „Nie hat es irgendwelche Hinweise, irgendwelche Berichte gegeben, die uns vor dem Ausmaß dieses beispiellosen Vorfalls gewarnt hätten“, erklärte eine Regierungssprecherin in Madrid. Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez hatte zuvor vermutet, der Massenandrang sei auf von „Menschenhändlern“ verbreitete Falschinformationen in sozialen Netzwerken zurückzuführen, die das Gerichtsurteil absichtlich falsch ausgelegt hätten. Marokko war dieser Lesart zunächst gefolgt.

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Zahlen und Fakten zur Krise

In der vergangenen Woche hatten rund 60.000 Menschen – teils schwimmend – die an Marokko grenzende Exklave Ceuta erreicht. Nach Angaben der spanischen Regierung kamen 72 Menschen bei dem Versuch ums Leben. Die große Mehrheit der eingetroffenen Migranten kehrte den spanischen Angaben zufolge inzwischen nach Marokko zurück. Geschätzt nur noch etwa 2500 von ihnen hielten sich am Montag in der Exklave auf.

Hintergrund: Streit zwischen Algerien und Marokko

Nach den Vorfällen gab es Spekulationen, Marokko habe die Menschen absichtlich durchgelassen – möglicherweise aus Verärgerung über einen kürzlichen Besuch von Sánchez in Algerien. Marokko und Algerien liegen seit Jahrzehnten im Streit um die Westsahara. Marokko beansprucht die Region für sich und erhielt dafür im vergangenen Jahr die Rückendeckung des UN-Sicherheitsrats, während Algerien die Unabhängigkeitsbewegung Frente Polisario unterstützt. 2022 hatte Spanien seine langjährige Neutralität in der Westsahara-Frage aufgegeben und sich hinter Marokko gestellt. Der Besuch von Sánchez in Algerien könnte daher nach Einschätzung von Beobachtern der marokkanischen Regierung missfallen haben.

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