In der strategisch wichtigen Straße von Hormus ist am vergangenen Wochenende ein Öltanker explodiert. Nach Angaben iranischer Medien, die dem Militär und den Revolutionsgarden nahestehen, war der Tanker von einer vorgeschriebenen Route abgewichen und auf eine Seemine aufgelaufen. Zuvor habe das Schiff sein Radarsystem ausgeschaltet, berichteten die Agenturen Defapress und Tasnim. Weitere Details wurden zunächst nicht genannt. Die Meerenge zwischen dem Iran und Oman ist eine der wichtigsten Handelsrouten für den globalen Öl- und Flüssiggastransport.
Iran stellt Vergeltungsangriffe nach US-Pause ein
Nach zwei Nächten ohne US-Angriffe hat der Iran nach eigenen Angaben seine Attacken auf Ziele in der Region ebenfalls gestoppt. Armeesprecher Mohammed Akraminia erklärte am Sonntag: „Da unsere Strategie im Wesentlichen auf Vergeltung beruhte, haben auch wir unsere Vergeltungsmaßnahmen gestoppt.“ Die USA befänden sich in einer „schwierigen und instabilen“ Lage und suchten vermutlich nach einer neuen Strategie. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor neue, massivere Angriffe auf den Iran angedroht, zugleich aber Verhandlungen mit Teheran bestätigt.
Die „New York Times“ berichtete unterdessen von großen Sorgen innerhalb der US-Regierung über schwindende Bestände an Militärmaterial, insbesondere an Patriot-Abfangraketen der Golfstaaten. Auch CNN meldete, dass die USA die Angriffe aus diesem Grund vorerst „auf Eis gelegt“ hätten. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.
Katar nimmt Schiffsverkehr wieder auf
Der Schiffsverkehr im Golfstaat Katar läuft nach vorübergehenden Einschränkungen wieder normal. Das katarische Transportministerium teilte mit, Fahrten für alle Schiffstypen seien ab sofort regulär möglich. Die Betreiber und Besatzungen sollten jedoch weiterhin die Sicherheitsvorschriften einhalten. Zuvor hatte Katar nach erneuten iranischen Angriffen zu einer vorübergehenden Einstellung des Schiffsverkehrs geraten, die auch Fischer- und Freizeitboote betraf.
Parallel dazu stoppten die iranischen Revolutionsgarden eigenen Angaben zufolge sechs Handelsschiffe vor der Durchfahrt durch die Straße von Hormus. Die Garden erklärten, sie setzten die Kontrolle über ein 240.000 Quadratkilometer großes Gebiet im Persischen Golf und der Meerenge durch. Kein Schiff könne passieren, ohne die iranischen Vorschriften zu erfüllen. US-Versuche, den Kurs von Schiffen zu ändern, würden mit einer „entschlossenen Reaktion und Warnschüssen“ beantwortet.
Iran droht mit Ausweitung des Kriegsgebiets
Armeesprecher Amir Akraminia drohte mit einer Ausweitung des Kriegsgebiets, sollten die USA ihre Luftangriffe fortsetzen. Das aktuelle Kriegsgebiet reiche bereits von Jordanien bis zu den Anrainerstaaten des Persischen Golfs. Sollte das US-Militär weiter angreifen, werde die Zone noch größer. Das iranische Militär habe Strategien für eine großangelegte Luftoperation sowie eine Bodenoffensive vorbereitet.
Zugleich bekräftigte der Iran seine Position, dass die jemenitische Huthi-Miliz im Roten Meer agiere – eine Entwicklung, die sich laut Akraminia bereits bewahrheitet habe. Die gegenseitigen Angriffe zwischen der Huthi-Miliz und Saudi-Arabien schüren die Sorge vor einer weiteren Eskalation.
Iran wirft Ukraine Angriff auf Frachtschiff vor
In einem weiteren Konfliktpunkt protestierte die iranische Regierung scharf gegen einen mutmaßlichen ukrainischen Angriff auf ein Frachtschiff im Kaspischen Meer. Nach Darstellung des Außenministeriums in Teheran kam dabei ein Matrose ums Leben, ein weiterer wurde verletzt. Die Mitteilung verwies darauf, dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj den Angriff eingeräumt habe. Selenskyj hatte erklärt, weitreichende Drohnen hätten Schiffe im Kaspischen Meer getroffen, die militärische Güter geladen und Bezug zum Iran gehabt. In seiner abendlichen Videoansprache warf er Russland vor, den Iran mit Satellitenaufnahmen der Golfregion zu versorgen.
Diplomatie und humanitäre Lage
Vertreter des Iran und des Oman führten am Wochenende in Teheran Gespräche über die Straße von Hormus. Das iranische Außenministerium bezeichnete die Unterredungen als produktiv. Die technischen und politischen Konsultationen dauerten an. Die Meerenge bleibt einer der Hauptstreitpunkte im Konflikt zwischen dem Iran und den USA.
Nach Angaben der US-Armee griff der Iran in den vergangenen drei Monaten mehr als 30 Handelsschiffe in der Meerenge an. Die UN forderten einen sicheren Transit für etwa 6000 Seeleute, die auf blockierten Schiffen nahe der Straße von Hormus festsitzen. Die Lieferung lebenswichtiger Güter müsse ermöglicht werden, erklärte eine Sprecherin von UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk.
Weitere Entwicklungen: Katy Perry, Hamas und Huthis
Ein eher ungewöhnlicher Vorfall sorgte für Aufsehen: Das Weiße Haus verwendete auf TikTok den Song „Firework“ von Katy Perry als Untermalung für Aufnahmen von Militärschlägen. Die Sängerin zeigte sich empört und schrieb auf X, sie habe dem nicht zugestimmt. Ihre Musik sei dazu da, Menschen zusammenzubringen, nicht um Krieg zu verherrlichen.
In Gaza wurde der Polizeichef der Hamas, Abdel-Nasser Al-Makadma, bei einem israelischen Angriff getötet. Die israelische Armee bestätigte den Vorfall zunächst nicht. Zudem meldeten die mit dem Iran verbündeten Huthis im Jemen Angriffe auf Anlagen von Saudi Aramco in Dschisan und Janbu. Die saudische Luftabwehr fing nach eigenen Angaben zwei aus dem Jemen abgefeuerte ballistische Raketen ab. Eine Beteiligung griechischer Militärangehöriger an der Abwehr wurde bestätigt.
Der iranische Außenminister rief angesichts der Eskalation zwischen Saudi-Arabien und den Huthis zum Dialog auf. Es gebe keine militärische Lösung, sagte Abbas Araghtschi. Die Probleme im Jemen seien nicht dem Iran anzulasten, sondern wurzelten in alten regionalen Konflikten.



